Liebe Kolleginnen, liebe Freunde,

Im Gesprächskreis Bildungspolitik der Rosa-Luxemburg-Stiftung häufen sich Debatten, Vorschläge und Projekte. Wir wollen versuchen, einen Überblick zu geben.

Alles, wovon hier die Rede ist, findet Ihr in unserem Blog

https://bildungspolitik.blog.rosalux.de/,

den wir eingerichtet haben, um die Mailingliste von überbordenden Rundsendungen mit Stellungnahmen zu entlasten, die vielleicht nur einen begrenzten Kreis interessieren. Etwa die recht heftige Debatte um Gesamtschulen und die „eine Schule für alle“, in der Klaus Klemm und dem Gesprächskreis fälschlicherweise unterstellt wurde, dass wir uns von diesem fundamentalen Ziel einer umfassenden Bildung für alle verabschiedet hätten.

Sehr viel Material haben wir inzwischen in unsere Cloud gestellt, zu den Themen

  • Bildungsbegriff,
  • Digitalisierung,
  • Lehrerbildung und
  • Ökonomisierung.

Die zahlreichen Dateien, die Jürgen Helmchen dankenswerterweise eingestellt hat, harren noch einer systematischen Erschließung.

Tagung zur Kritik der LehrerInnenbildung

Unser größtes Vorhaben in diesem Jahr ist eine Tagung, die sich der trotz oder vielleicht gerade wegen zahlreicher „Reformen“ nach wie vor krisenhaften, „bankrotten“ (Christa Händle)  LehrerInnenbildung annimmt.

Sie ist geplant für Freitag(abend), 22. und Samstag, 23. November 2019, an der Universität Potsdam. Also, bitte den Termin vormerken!

 Sowohl die Pädagogische Hochschule Freiburg als auch die Universität Potsdam werden sich an der Tagung beteiligen.

Alles Mögliche passt in der Lehrerbildung nicht zusammen: Seit eh und je die erste (universitäre) und zweite (Referendariats-)Phase, Theorie und Praxis, Fachwissenschaft und Fachdidaktik, die wiederum nicht zu den pädagogischen  Anteilen. Die orientieren sich bestenfalls daran, das Überleben im Klassenzimmer und das Abarbeiten der Curricula zu ermöglichen, aber selbst daran scheitert die Ausbildung häufig. Doch vor allem fehlt es an der systematischen Vermittlung eines übergreifenden politischen und sozialen Horizonts, der es dem Lehrer, der Lehrerin ermöglicht, Lernen, Lehren und Unterrichten in einen gesellschaftlichen Zusammenhang einzuordnen. (Nun zeigen die aktuellen Proteste der Fridays for future-Bewegung, dass junge Menschen sich nicht nur in der Schule bilden, und vielleicht auch, dass Lehrerinnen über den engen Horizont des classroom-Managements hinaus Perspektiven vermitteln können). Die Gesellschaft ist von zunehmender Polarisierung geprägt, doch gleichzeitig soll die Schule, sollen Lehrerinnen als deren Akteure das Versprechen der Chancengleichheit einlösen und die Inklusion verwirklichen, die die Gesellschaft verweigert.

Es soll also auf der Tagung um Kritik und Perspektiven gehen.

Ein bisher noch unabgestimmter Vorschlag zum Titel der Tagung von mir:

„Die Lehrer-Mangel“

(Untertitel:)
Oder: Das Versagen der Lehrerbildung(sreform)

Auf unserem Koordinierungstreffen am 23. März in Hannover haben wir Vorschläge zum Ablauf der Tagung gesammelt. Über die Grobstruktur haben wir uns verständigt.

Am Freitag Eröffnung mit einem Input, der die Profession des Lehrers, der Lehrerin in den gesellschaftlichen Zusammenhang stellt, der in den Mainstream-Lehrerbildungskonzepten fehlt, zumindest zu eng gefasst wird. Daran anschließend ein Podium, in dem die Aufgaben der Lehrpersonen aus unterschiedlicher Perspektive beleuchtet werden – aus wissenschaftlicher, gewerkschaftlicher, politischer Sicht, und der der Betroffenen.

Am Samstagvormittag zwei Plenumsreferate. Verschiedene Namen werden genannt, aber es scheint Konsens zu sein, dass eines die Rolle der Erziehungswissenschaft thematisieren, das andere die krisenhafte Entwicklung des Lehrerstudiums auch quantitativ beleuchten soll.

Dann bleibt Platz für zwei Blöcke mit Workshops, schließlich zum Abschluss ein Podium, auf dem politische Forderungen an die LehrerInnenbildung formuliert werden. Jürgen Helmchen hatte im Vorfeld der Tagung verschiedene Vorschläge zusammengestellt, ich habe die Ergebnisse aus meiner Sicht und versehen mit eigenen Vorschlägen zu Papier gebracht. Auf dieser Grundlage soll das Programm erarbeitet werden. Da es sich um interne Planungspapiere handelt, in denen auch Namensvorschläge enthalten sind, sind beide auf unserem Blog passwortgeschützt eingestellt. Allen, die sich an der Planung bisher beteiligt haben oder dies es künftig tun wollen, wird das Passwort zur Verfügung gestellt. Ihr seid aufgefordert, Euch mit eigenen Ideen, Vorschlägen, mit euren Arbeiten dort einzubringen.

Koordinierungstreffen am 23. März

Auf dem erwähnten Koordinierungstreffen am 23. März wurden die verschiedenen Projekte für dieses Jahr besprochen. Laura Emmering hat die Diskussion in Stichworten zusammengefasst. Das Ergebnis findet ihr hier.

Kolloquium zur Ökonomisierung, weiterführende Studie

Am 1. März trafen sich Expertinnen und Experten aus Erziehungs- und Sozialwissenschaften und Stiftungsvertreterinnen, um in einem Kolloquium im Anschluss an die Studie von Thomas Höhne „Mehrwert Bildung?“ über die „Ökonomisierung“ im Bildungsbereich anhand der Studie von Thomas und weiteren dort vorgelegten Arbeiten zu diskutieren. Alles, was wir bisher auch an Manuskripten dazu bekommen haben, findet ihr im Blog.

Der Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung hat beschlossen, eine weiterführende Studie zum Thema „Ökonomisierung im Bildungsbereich“ mit 20 000 Euro zu finanzieren. Sie soll empirisch und exemplarisch Material zur Ökonomisierungsthese liefern und Hinweise zu einer alternativen Herangehensweise an Bildung und Erziehung geben. Die Ausschreibung wird öffentlich sein. Wer daran Interesse hat kann sich bei uns melden – heinemann@rls-nrw.de.

Broschüre zur Digitalisierung

Wir hatten ja bereits 2017 in Magdeburg eine Tagung zur Digitalisierung im Bildungsbereich veranstaltet. Dort trafen unterschiedliche Herangehensweisen aus der Wissenschaft und der Schulpraxis aufeinander, auch unterschiedliche inhaltliche Positionen. 2018 veranstaltete die linke Bundestagsfraktion dazu eine Fachtagung in Halle. Nun ist der Digitalpakt verabschiedet. Eine eindeutige „linke“ Position gibt es nicht, hier ist „Ambiguitätstoleranz“, aber nicht Gleichgültigkeit gefordert. Wir werden aus den Materialien der Tagungen und aktuellen Stellungnahmen ein Materialien-Heft der Rosa-Luxemburg-Stiftung erstellen.

Weitere Vorhaben und Termine

Als Konsequenz aus der lebhaften Diskussion über Schulformen, die sich aus unserer Tagung über neue Ungleichheiten im Bildungsbereich ergab, haben wir Exkursionen zum Thema „Zweigliedrigkeit“ ins Auge gefasst. Wir wollen uns die Stadtteilschulen in Hamburg ansehen, die nach der kritischen Einschätzung durch die Linksfraktion die Segregation zementieren, das Bremer Modell der Sekundarschulen und die Fritz-Karsen-Schule in Berlin als Beispiel einer Gemeinschaftsschule Berliner Prägung. Wir werden das rechtzeitig ankündigen.

Der Arbeitskreis Kritische Pädagogik – autonomer Teil des Gesprächskreises Bildungspolitik – wird in diesem Jahr zwei Vortragsveranstaltungen anbieten:

–       25.05. Daniela Holzer über „Widerstand und Bildung (Arbeitstitel), RLS Berlin

–       05.10. Alexandre M. Tavares da Silva über „Bedeutung und Aktualisierungsmöglichkeiten der Befreiungspädagogik Paulo Freires“, Uni Duisburg-Essen

Schließlich sei verwiesen auf die 3. Bildungswerkstatt der RLS unter dem Titel „Bildung is a Battlefield“ am 5. Und 6. Juli in Berlin, alle Infos dazu auf der Seite der Stiftung.

Auf Kritik stieß mein Vorschlag, sich kritisch mit Publikationen der Initiative „Bildung und Wissen“ auseinanderzusetzen, deren Kritik an aktuellen Deformationen von Schule und Hochschule von uns an vielen Stellen geteilt wird, dessen Schlussfolgerungen jedoch in Richtung einer Rückkehr zu einer exkludierenden Bildung zu gehen scheinen. Eine Konsequenz, die wir aus der Debatte ziehen: Wir werden in einer öffentlichen Diskussion versuchen, uns sowohl mit den funktionalistischen „Bertelsmännern“ als auch mit den Rückkehrern zu Humboldt von „Bildung und Wissen“ auseinanderzusetzen, also die alte Kontroverse zwischen „Allseitigkeit“ und „Brauchbarkeit“, zwischen Humanisten und Philanthropen für die Gegenwart zu aktualisieren. Wuppertal bietet sich dafür als Veranstaltungsort an. Der genaue Rahmen und Termin stehen noch nicht fest, Interessenbekundungen sind erwünscht.

So viel erst mal. Wir werden diesen Rundbrief auch in den Blog stellen, dort könnt Ihr ihn kommentieren.

Für heute die besten Grüße,

Ihr/Euer

Karl-Heinz Heinemann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.