Ich wünsche mir ein Bildungssystem in dem alle Menschen zu jeder Lebenszeit bei Bedarf lernen können. Am Beispiel von Schuldbildung möchte ich mein Konzept erklären. Das Grundkonzept gilt jedoch auch für das Lernen von Erwachsenen.

Ich wünsche mir eine Schule, in der alle Kinder individuell gefördert werden. Hierzu sollten individuelle Lernprogramme für jedes Kind nach Tests und Beobachtung ausgearbeitet werden. Ein Teil der Walldorf-Pädagogik könnte da hilfreich sein mit Lernmaterialien, die interessen- und leistungsorientiert konstruiert sind und in denen die Lernüberprüfung integriert ist. Lehrer sind dort vor allem auch Lernberater für selbstständiges Lernen.

Individuelles Lernen sollte auch wesentlich mit Hilfe passgerechter digitaler freier Medien erfolgen, die alternativ langsames oder schnelles Fortschreiten ermöglichen. Jedes Kind muss auf seine Arbeit in seinem Tempo lernen. Lernprogramme können dem Kind sofort Rückmeldung über seinen Lernerfolg geben. Das ist sehr wirkungsvoll in Bereichen, in denen Lernprozesse sich einschleifen müssen, wie z. B. bei Rechenvorgängen oder beim Lesen und bei der Rechtschreibung, bei der Grammatik in deutscher Sprache und in Fremdsprachen.

Verständnis- und Sinnfragen müssen mit Menschen geklärt werden. Das können Lehrer, Tutoren, Mitschüler, Erwachsene mit besonderen Kenntnissen, Fähigkeiten aus allen möglichen Bereichen vor allem auch praktischen Bereichen sein. Das sollten Menschen sein, die Freude an ihren Tätigkeiten haben und bei allen Kindern somit auch eine langfristige Motivation an eigener Weiterbildung aufbauen. Kein Schüler sollte sich als Versager fühlen, wie es heute noch unzählige Kinder und Jugendliche tun, besonders die, die später keinen Schulabschluss erhalten oder ihre Lehre nicht mit Erfolg abschließen können. Die Reggio-Pädagogik sagt, es braucht ein Dorf um Kinder zu bilden.
Hierzu sind auch die Standards von Abschlussprüfungen zu hinterfragen und zu überarbeiten. Ein Schul- und Lehrsystem, dass Kindern und Jugendlichen mit Teilschwächen, die entweder vom Schulsystem nicht ausgeglichen wurden oder von einigen Schülern aufgrund individueller Lernhemmungen gar nicht erreicht werden können, ist zutiefst ungerecht, für Kinder und Jugendliche verheerend und für die Gesellschaft sehr teuer. Menschen, denen ganze Abschlüsse wegen Teilschwächen versagt werden, belasten die Gemeinschaft, die Wirtschaft und den sozialen Frieden.

Vor allem die Theorielastigkeit des jetzigen Schulsystems ist für alle Schüler ein großes Problem. Wenn sie keine konkreten Anwendungsbereiche für Theorie kennlernen, erschließt sich den Schülern nicht der Sinne ihres Tuns, was für ihre generelle Leistungsmotivation verheerend ist. Das jetzige Schulsystem ist ausgesprochen ineffektiv. Gute Schüler langweilen sich, „schwache“ Schüler verlernen ganz die Lust am Lernen und fast alle Schüler erleben damit keinen Sinn in ihrem täglichen Tun und einer sinnvollen Perspektive für die Zukunft. So kann eine Gesellschaft erodieren. Mangelndes Vertrauen in das Gesellschaftssystem und möglicherweise in die Gesellschaft als Ganzes ist die Folge. Vieles davon erleben wir zurzeit.

Die Organisation individuellen Lernens würde den Unterschied machen. Hierzu ist das jetzige Schulsystem zu überdenken. In Grundschulen gibt es schon z. T. ein Konzept, das in die richtige Richtung geht, wenn Kinder jahrgangsübergreifend unterrichtet werden und ältere Kinder jüngeren helfen. Es gibt aber noch viele ehrenamtliche Kräfte in unserer Gesellschaft, die neben professionellen Fachkräften aufgrund ihrer besonderen Erfahrung oder Ausbildung individuell fördern können und in den Schulbetriebe integriert werden sollten. Für ein solches Schulsystem benötigen wir eine großzügigere räumliche Ausstattung, mit vielen individuellen Lernräumen für Kleingruppenarbeit und individuelles Lernen, für digitales Lernen und besonders auch Arbeitsplätze für praktisches Lernen, experimentelle, künstlerische und handwerkliche Tätigkeiten. Um ein solches Lernen neu entwickeln zu können, sollten Schulversuche möglich werden mit nach Alternativen suchenden hochmotivierten Lehrern und Eltern, die bereit sind, solche Konzepte mitzutragen.

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