Unsere Freundin Gunhild Böth hat einmal einige Überlegungen zum Umgang mit den Auswirkungen der Corona-Krise auf Schule, Bildung und Unterricht im Hinblick auf die Politik der LINKEN zusammengestellt, die wir Eurer Beachtung empfehlen

 

Liebe Bildungsmenschen,

was wir von den aktuellen Maßnahmen der Landesregierung, die Schulen wieder zu öffnen, halten, haben sicherlich alle auf örtlicher und Landesebene schon gesagt:

–          Prüfungen unter derzeitigen Bedingungen unzumutbar

–          Verkehr von/zur Schule stellt eine Ansteckungsgefahr dar

–          Schulreinigungen sind unzureichend

–          Hygienische Ausstattung der Schulen (Warmwasser, Seife, genügend Waschbecken, …) ist unzureichend und muss oftmals von Grund auf hergestellt werden

–          …

ABER: Wie genau ist denn nun unsere (LINKE) Vorstellung von Schule und Unterricht unter Corona-Bedingungen? Denn wir werden uns wohl darauf einstellen müssen, dass der wie auch immer veränderte Schulbetrieb längere Zeit aufrechterhalten wird. Dann sollten wir aber nicht nur die Regierung machen lassen und darauf reagieren, sondern selbst gut begründete Vorschläge unterbreiten, wie und warum es nur so gehen kann.

 

Ich stelle mal einige Aspekte und Fragen zusammen:

  1. Wenn also in kleinen Gruppen unterrichtet werden soll und muss,
  2. dann hat logischerweise die Lehrkraft die doppelte Menge zu unterrichten, wenn man Stundenanzahlen beibehält. (Die perfekte Lösung wäre natürlich die Verdopplung der Lehrenden, die es aber bekanntermaßen nicht gibt.) Da das nicht geht, sind mögliche Lösungen: die Zahl der Unterrichtsstunden zu halbieren durch alternierende Schultage (anderer Tag zu Hause mit Aufgaben) oder die Stundenzahlen zu kürzen.  Bei beiden Modellen würde weniger „Stoff“ gelernt, weil die zu Hause verbrachten Tage sicherlich große Lerngewinne, z.B. bei Projektarbeiten, bringen könnten, aber bei 3-4 Unterrichtsfächern pro Tag will jedes Fach (Lehrkraft) sein Fach auch zu Hause bearbeitet wissen. Diese umfänglicheren Hausarbeiten müssten in der nächsten Schul-Stunde wieder betrachtet, reflektiert und besprochen werden, was mehr Zeit als gewohnt in Anspruch nähme. Bei gekürzten Stundenzahlen erschließt sich leicht, dass der Lehrplan bzw. der schulinterne Lehrplan (der die Kompetenzen beschreibt mit dem benutzten Lehrbuch z.B.) wie bisher keinen Bestand mehr haben könnte. Wann wird das nachgeholt, wenn daran nicht verändert werden soll?
  3. dann benötigt man doppelt so viele Räume wie bisher. Da es die nicht gibt (oder gibt es die irgendwo in NRW?), können also nicht alle Schüler*innen gleichzeitig in die Schule kommen. Ausweg: Schichtbetrieb Morgens/Nachmittags. Dann bräuchten die Lehrkräfte aber Arbeitsräume in der Schule zur Vor- und Nachbereitung von Unterricht, weil sie viele Springstunden hätten, wenn sie von 8-18:00 Uhr in der Schule sein müssten. Das könnte nur im System Lehrkräfte-Raum statt Klassenraum geschehen (wie in den USA z.B.), so dass mehr Schüler*innenwanderungen von Stunde zu Stunde stattfinden müssten, was eine Quelle der engen Begegnungen wäre.
  4. Wenn Schüler*innen Abstand halten sollen,
  5. muss die Frage des Schulwegs (Schulbus, öffentliche Verkehrsmittel) geklärt werden. Die Verkehrsunternehmen fordern schon, dass die Schulen später anfangen, damit der Berufsverkehr erst befördert werden kann, dann der Schulverkehr. Damit kämen die Schüler*innen in den Abendverkehr, was auch nicht gewollt ist. Dafür brauchen wir ebenfalls Lösungen.
  6. müssen Pausen völlig neu gestaltet werden, denn dafür braucht es viel mehr Platz als auf NRW-Schulhöfen ist. Das ist völlig ungeklärt.
  7. können die Raumwechsel zu Fachräumen nicht nach einem festen Stundenraster stattfinden, weil sich sonst wieder viele auf den Gängen und Treppen begegnen würden. Wie ist das zu machen?
  8. muss der Sportunterricht nur noch individuelle Sportarten vorsehen.

Hier sind nur ein paar Fragen aufgeworfen, die m.E. aber schon zeigen, dass Schule und Lernen möglich ist, sich aber von einem bisher nach Stunden und Fächern aufgeteilten Schultag völlig unterscheiden würde: Denkbar wäre, den gesamten Halbjahresunterricht im Block zu unterrichten, so dass die Lehrkraft mit der kleinen Gruppe eine ganze Weile zusammenbliebe, andere Pausen, Anfänge usw. vereinbaren könnte, zeitaufwändige Projekte mit Ergebnissen durchführen könnte, bei denen die Schüler*innen sicherlich viel lernen könnten. Dann müsste auch die Leistungsüberprüfung verändert werden: statt Klassenarbeiten zählen Projektergebnisse, auch in Paargruppen. Dafür müsste man aber entweder mehr Lehrkräfte (wegen der kleinen Gruppen) oder die Lerngruppe öfter allein bzw. selbstständig arbeiten lassen, was oftmals geht.

Also letztlich würde die Beschulung unter Corona-Bedingungen, wenn man den pädagogischen und nicht den selektiven Auftrag ernst nähme, Veränderungen bewirken können, die DIE LINKE immer schon wollte.

Liebe Grüße+ Denkt mal weiter! Sicherlich habt Ihr alle auch noch viele „Lösungen“, denn dass alle Kinder und Jugendliche jetzt ohne Schule zuhause in Einzelhaft sitzen müssen, wollen wir doch nicht!

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