Wann? Montag, 28. September 2026, 18 Uhr
Wo? Online per Zoom: https://us02web.zoom.us/j/83497278452
Das Ergebnis der Analyse des Bamberger Leibniz‑Instituts für Bildungsverläufe ist nicht überraschend: Sozial ungleiche Startbedingungen werden durch die Bildungseinrichtungen nicht ausgeglichen, sondern sie verfestigen sich. Prof. Dr. Marcel Helbig, Dr. Claudia Karwath und Prof. Dr. Corinna Kleinert vom LIfBi haben die Bildungsverläufe von der frühen Kindheit bis zum Übergang in Studium und Ausbildung untersucht. Schon in der frühen Kindheit sind die Unterschiede nach sozialer Herkunft deutlich. Und das selektive Schul- und Bildungssystem baut sie nicht ab, sondern verschärft sie. Das zu verändern ist deshalb besonders schwer, weil dieses Sytem von seinen Profiteuren verteidigt wird, und das sind auch diejenigen, die politisch das Sagen haben.
Was kann man tun?
Marcel Helbig wird die Ergebnisse der Studie seines Instituts erläutern und mit uns darüber diskutieren, was getan werden muss, um Ungleichheiten abzubauen, die ja nicht erst im Bildungssystem entstehen, und dem Anspruch auf mehr Chancengerechtigkeit näher zu kommen.
Prof. Dr. Marcel Helbig ist Arbeitsbereichsleiter Strukturen und Systeme am Bamberger Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. Er beschäftigt sich nicht nur mit sozialer Ungleichheit in der Bildung, sondern auch mit der wachsenden sozialräumlichen Spaltung in deutschen Städten.
Vor 25 Jahren hat die PISA-Studie Deutschland entlarvt: Bei uns entscheidet nicht Talent über Bildungserfolg, sondern Herkunft. Versprochen wurde viel – mehr Gerechtigkeit, bessere Förderung, echte Inklusion. Heute, ein Vierteljahrhundert später, ist klar: Bildungserfolg hängt noch immer vom Elternhaus ab.
Wir sagen: Es reicht!
Wir gehen am 19. September 2026 bundesweit auf die Straße für ein gerechtes, inklusives und zukunftsfähiges Bildungssystem.
Mach Mit!
📣 Komm am 19.9.26 zum bundesweitenBildungsprotesttag, um auf die Bildungskrise aufmerksam zu machen und echte Veränderungen einzufordern.
📣 Schließ dich der Bewegung in deinem Bundesland an und komm zum nächsten Treffen in deinem Bundesland oder zum Willkommenstreffen! Das nächste Treffen findet am 3.9. per Zoom statt – alle Infos bei @bildungswendejetzt und unter https://www.bildungswende-jetzt.de/
📣 Hilf mit, den Protest groß zu machen! Wir arbeiten komplett ehrenamtlich. Aber Bühne, Banner, Lautsprecher, Flyer und Werbematerial kosten Geld. Mit deiner Spende sorgst du dafür, dass der 19.9. wirklich Wirkung entfaltet.
📣 Melde dich gern bei uns unter der kontakt@bildungswende-jetzt.de oder ruf uns an +49 160 1563467. Tritt auch unseren bundesweiten Kanälen bei Telegram und WhatsApp bei.
Hier findest du alle Standorte, an denen am 19.9. Demonstrationen stattfinden:
mit Ayla Çelik (GEW NRW), Martin Süsterhenn (Katharina-Henoth-Gesamtschule, Köln-Kalk), Martina Zilla Seifert (Bildungswende JETZT!) und Katrin Schäfgen (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Deutschlands Schulen stehen vor immensen Herausforderungen: Lehrkräftemangel, marode Gebäude, sinkende Schüler*innenleistungen und zunehmende herkunftsbedingte Bildungsungleichheit. Dies hat massive Auswirkungen auf Lehrkräfte, Schüler*innen und Eltern. Das «Krisenbuch Schule»gibt diesen Menschen eine Stimme und zeigt was es bedeutet, in einem System am Limit zu arbeiten und zu lernen.
Zugleich verweist das Buch auf Alternativen und auf Wege, wie diese zu erreichen sind.
Zu den Herausforderungen und dem was nötig ist, um eine zeitgemäße und sozial gerechte Schule zu etablieren, diskutieren u.a. Ayla Çelik, Vorsitzende der GEW NRW, Martin Süsterhenn, Schulleiter an der Katharina-Henoth-Gesamtschule in Köln-Kalk, Martina Zilla Seifert, Bildungswende JETZT! und Dr. Katrin Schäfgen, Referentin für Bildungspolitik bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Wir freuen uns auf einen regen Austausch! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Eine Veranstaltung des Gesprächskreis Bildungspolitik der Rosa-Luxemburg-Stiftung
KONTAKT
Dr. Katrin Schäfgen
Referentin für Bildungspolitik am Zentrum für Gesellschaftsanalyse und politische Bildung, Rosa-Luxemburg-Stiftung
Ein Plädoyer gegen die Medienoffensive der Bundeswehr
Mit dem Autor Daniel Hornuff
Wann? 26.10.26, 18-19:30 Uhr
Wo? Online, per Zoom: https://us02web.zoom.us/j/84739900051
Deutschland soll kriegstüchtig werden. Und was macht die Bundeswehr? Sie rekrutiert mithilfe von Blockbuster-Ästhetik, Bildwelten der Gaming-Industrie und Armee-Influencern: Die Zeitenwende wird als Lifestyle-Event mit Adventure-Feeling inszeniert. Daniel Hornuff nimmt Anstoß an der jüngsten Medienoffensive der Bundeswehr. Er entfaltet ein politisches Plädoyer und fordert ein gesetzliches Werbeverbot für die Bundeswehr. Denn die Art und Weise, wie sich das Militär in einer Demokratie präsentiert, ist mit grundlegenden Fragen verknüpft: Was wird als Sicherheitspolitik verstanden? Welche Vorstellungen von Verteidigung und Wehrhaftigkeit zirkulieren? Und was bedeuten uns die Interessen junger Menschen?
Daniel Hornuff, geb. 1981, ist Professor für Theorie und Praxis der Gestaltung an der Kunsthochschule der Universität Kassel. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Kultur-, Kunst- und Designwissenschaften. Er stellt sein gerade erscheinendes Bich vor.
Eine Veranstaltung des Gesprächskreises Bildungspolitik der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und des Rosa-Lux-Gesprächskreises Sülz-Klettenberg (Köln)
Wir haben mit Armin Krenz über die Situation in den Kitas gesprochen und konnten dabei nicht nur viel lernen, sondern auch neuen Mut schöpfen! Das Video zur Veranstaltung ist jetzt online:
Schulen in Deutschland sind am Limit: Lehrkräftemangel herrscht inzwischen in nahezu allen Bundesländern, über eine wachsende Zahl von Quer- und Seiteneinsteiger*innen wird versucht, den Bedarf zu decken. Bei Erzieher*innen, Schulsozialarbeiter*innen und weiteren Professionen sieht die Situation nicht besser aus. Und statt mittels multiprofessionellen Teams eine gute und zeitgemäße Bildung anzubieten, werden die neuen Professionen an Schulen häufig als Lückenfüller*innen in einem defizitären System verheizt.
Schätzungen der Kultusministerkonferenz (KMK) zufolge fehlen derzeit 25.000 Lehrkräfte in Deutschland. Lehrer*innen arbeiten regelmäßig deutlich mehr als die vorgesehenen 40 bzw. 41 Stunden pro Woche. In Berlin wurde die Jahresarbeitszeit von 1.772 Stunden im Durchschnitt circa 100 Stunden überschritten (Schuljahr 2023/24). Besonders alarmierend ist, dass 64 Prozent der Lehrkräfte in Berlin Mehrarbeit leisteten, 30 Prozent der Vollzeitkräfte überschritten in der Schulzeit sogar die im Arbeitszeitgesetz festgelegte Obergrenze von 48 Stunden pro Woche. Auch bei Schulbegleiter*innen und Schulsozialarbeiter*innen ist die Belastung hoch. Laut ver.di berichten fast 85 Prozent der Schulsozialarbeiter*innen von regelmäßigen Überschreitungen der vereinbarten Arbeitszeit. Drei Viertel geben an, krank zur Arbeit zu gehen. Verletzendes Verhalten ist an der Tagesordnung: 85 Prozent der Befragten erleben psychische Gewalt unter Kindern.
Das „Krisenbuch Schule“ richtet den Fokus auf diejenigen, die in einem heruntergewirtschafteten System arbeiten und lernen (müssen): Lehrer*innen, Schüler*innen, Erzieher*innen, Eltern, Schulsozialarbeiter*innen und Referendar*innen kommen darin zu Wort. Sie berichten eindrücklich von ihren täglichen Herausforderungen, von Überforderung, Frustration und Resignation. Die persönlichen Berichte werden durch kurze Texte ergänzt, die die geschilderten Herausforderungen in einen größeren Zusammenhang stellen: zur maroden Infrastruktur, zur Arbeitszeit von Lehrkräften, zur Zunahme von grenzüberschreitendem Verhalten oder dem Mythos, KI könne die beschriebenen Probleme lösen. Darüber hinaus werden Vorstellungen zu einer zeitgemäßen Schule entwickelt und es wird gezeigt, was politisch notwendig ist und wie sich Beschäftigte gegen Überforderung zur Wehr setzen können.
Wir wollen mit euch darüber ins Gespräch kommen, wie sich das Schulsystem verändern kann und woran es bisher scheitert! Dafür haben wir deutschlandweit Veranstaltungen geplant:
Berlin
29.6., 18:00 Uhr: Lesung und Diskussion mit Franziska Brychcy, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion die Linke im Abgeordnetenhaus Berlin, in der RLS Berlin, Straße der Pariser Kommune 8A
Mannheim
8.7., 19:00 Uhr: Lesung und Diskussion mit Nalan Erol, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Kommunalparlament Mannheim, im Café Rost Mannheim, Pflügersgrundstraße 16
Mainz
3.9., 18:00 Uhr: Lesung und Diskussion mit Christoph Merklein, bildungspolitischer Sprecher der Linken in Mainz, Kulturbäckerei, Karoline-Stern-Platz 11
Köln
7.9., 18 oder 19 Uhr: Lesung und Podiumsdiskussion mit Ayla Çelik (Vorsitzende der GEW NRW), Martin Süsterhenn (Schulleiter der Katharina-Henoth-Gesamtschule) und Martina Zilla Seifert (ehemalige Schulleiterin, nun Hochschullehrerin und Bildungsaktivistin u.a. bei Bildungswende JETZT!), im DGB-Haus Köln, Hans-Böckler-Platz 1 (angefragt)
Frankfurt
8.9. (18 oder 19 Uhr): Lesung und Diskussion mit Thilo Hartmann, Vorsitzender der GEW Hessen, im Club Voltaire, Kleine Hochstraße 5
Rita Casale betont zu Beginn, dass sie nicht die empirische Bildungsforschung als solche kritisiert. Ihre Kritik richtet sich gegen eine bestimmte Form empirischer Bildungsforschung, die Theorie und Empirie voneinander trennt und empirische Verfahren zum alleinigen Maßstab wissenschaftlicher Erkenntnis erhebt. Ihr Ausgangspunkt ist dabei ausdrücklich erkenntnis- und gesellschaftstheoretisch, nicht geisteswissenschaftlich.
Historische Einordnung: Die empirische Bildungsforschung als Modernisierungsprojekt
Casale zeichnet die Entwicklung seit den 1960er Jahren nach. Nach ihrer Darstellung wurde die geisteswissenschaftliche Pädagogik damals durch eine sozialwissenschaftlich orientierte Bildungsforschung ersetzt. Als zentrale Figur nennt sie Ralf Dahrendorf, der Bildungspolitik, Bildungsplanung und empirische Forschung eng miteinander verknüpfte. Die neue Bildungsforschung versprach, durch überprüfbare Daten die Grundlage für politische Steuerung und Reformen zu liefern. Gleichzeitig wurde nach Casales Auffassung die traditionelle Frage nach Sinn, Zweck und normativen Grundlagen von Bildung zurückgedrängt. Forschung wurde zunehmend mit empirischer Untersuchung gleichgesetzt.
Die problematische Trennung von Theorie und Empirie
Ein zentraler Kritikpunkt Casales ist die seit den 1960er Jahren etablierte Arbeitsteilung:
Theorie sei für Normen und Werte zuständig.
Empirie sei für Forschung und Erkenntnis zuständig.
Diese Trennung hält sie für eine Sackgasse. Sie argumentiert, dass jede Forschung bereits theoretische Vorannahmen enthält. Begriffe wie „Bildung“, „Kompetenz“, „Leistung“ oder „Bildungsminimum“ seien nicht einfach gegeben, sondern theoretisch konstruiert. Die empirische Bildungsforschung tue jedoch häufig so, als würde sie eine objektiv vorhandene „Erziehungswirklichkeit“ lediglich messen.
Kritik an einem verkürzten Wissenschaftsverständnis
Casale kritisiert ein Wissenschaftsverständnis, das Forschung nahezu ausschließlich mit Messung und empirischen Verfahren identifiziert. Dadurch werde nur untersucht, was sich operationalisieren und messen lässt. Fragen nach den Voraussetzungen, Zielen und normativen Grundlagen von Bildung würden dagegen ausgeblendet. Als Beispiel nennt sie das Konzept des „Bildungsminimums“. Die empirische Forschung könne messen, ob ein Bildungsminimum erreicht werde. Sie könne abernicht beantworten, worin dieses Bildungsminimum eigentlich bestehen soll und nach welchen gesellschaftlichen oder politischen Kriterien es festgelegt wird.
Kritik an PISA und der Bildungssteuerung
Casale setzt sich mit der Entwicklung seit PISA auseinander. Sie erkennt an, dass inzwischen auch Vertreter der empirischen Bildungsforschung selbst kritische Bilanzen ziehen. Dennoch sieht sie ein Grundproblem fortbestehen: Die empirische Bildungsforschung legitimiere ihre Bedeutung weiterhin vor allem durch ihren Nutzen für Bildungsplanung und Bildungspolitik. Dadurch werde Bildungspolitik eng an Messbarkeit, Standards und Steuerungswissen gekoppelt. Die Frage, wie Bildung sein sollte, trete gegenüber der Frage zurück, wie bestehende Prozesse gemessen und optimiert werden können.
Theorie als mehr als Verallgemeinerung von Daten
Besonders wichtig ist Casale die Verteidigung eines starken Theoriebegriffs. Theorie sei nicht bloß die Verallgemeinerung empirischer Befunde. Gute Theorie müsse in der Lage sein, über das unmittelbar Gegebene hinauszugehen, bestehende Verhältnisse infrage zu stellen und neue Möglichkeiten zu denken. Sie verweist dabei mehrfach auf Theodor W. Adorno und dessen Verständnis von Theorie als kritischer Reflexion gesellschaftlicher Verhältnisse.
Casales Hauptthese lautet: Bildungsforschung darf Theorie und Empirie nicht gegeneinander ausspielen. Forschung müsse die theoretischen Voraussetzungen ihrer Begriffe offenlegen und reflektieren. Es gebe keine „reine“ Erziehungswirklichkeit, die einfach gemessen werden könne. Bildungs- und Erziehungsprozesse seien immer schon durch Begriffe, Kategorien und gesellschaftliche Annahmen strukturiert. Deshalb plädiert sie für eine Bildungsforschung, die empirische Untersuchungen mit gesellschaftstheoretischer und erkenntnistheoretischer Reflexion verbindet. Nur so könne Bildung nicht nur beschrieben, sondern auch kritisch und emanzipatorisch gedacht werden. Casale kritisiert also nicht die Empirie als solche, sondern die Vorstellung, Bildung lasse sich allein durch Messung und empirische Verfahren verstehen; sie fordert eineBildungsforschung, die Theorie, Normativität und Gesellschaftskritik wieder systematisch mit empirischer Forschung verbindet.
Prof. Dr. Rita Casale studierte Philosophie und Geschichte in Bari, Paris und Freiburg im Breisgau und lehrt aktuell an der Uni Wuppertal im Bereich Allgemeine Erziehungswissenschaft/Theorie der Bildung. Forschungsschwerpunkte ihrer Arbeit sind Bildungs- und Erziehungsphilosophie, pädagogische Historiographie, feministische Theorie sowie modernes politisches und pädagogisches Denken. Zudem veröffentlichte sie zahlreiche Arbeiten zur zeitgenössischen Philosophie und arbeitet derzeit an einer Geschichte des Bildungsbegriffs nach 1945.
Grundlegende Überlegungen zur frühkindlichen Bildung
mit Armin Krenz
Wann? 18.5.26, 18-19:30 Uhr
Wo? online, per Zoom: https://us02web.zoom.us/j/85718502910
Die Qualität der frühkindlichen Bildung wird in den Diskussionen auf der politischen Ebene, auch im Gesprächskreis Bildungspolitik, oftmals vernachlässigt oder mit Vorhaben/ Behauptungen erörtert, die am Kern einer Qualitätsverbesserung völlig vorbeigehen. Dabei ist die Funktion, die Kindertagesstätten in unserer Gesellschaft erfüllen sollen, mehr als relevant: Kitas haben entsprechend dem § 22 Abs. 2 + 3 SGB VIII einen verpflichtenden Förderungsauftrag, der die ‚Erziehung, Bildung und Betreuung‘ des Kindes erfasst. Die ausgewiesenen Ziele sollen sich auf eine Entwicklungsunterstützung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit, eine Unterstützung und Ergänzung der Bildung und Erziehung in der Familie sowie eine Unterstützung der Eltern bei der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie richten.
In der Praxis bestehen jedoch einerseits entwicklungshinderliche Rahmenbedingungen und andererseits wird der Begriff ‚Bildung‘ mit erster Priorität als eine hauptsächlich kognitive, teilisolierte und funktionsorientierte Vermittlung/ Belehrung von zukünftig notwendigem Wissen verstanden, was einer entwicklungs-/lernpsychologischer und bildungswissenschaftlicher Sicht völlig entgegensteht. Solange diese verkürzte und fachlich vollkommen unhaltbare Vorstellung von Bildung Kindern vorgesetzt wird, bleiben bildungs- und bindungs- bzw. lernpsychologisch bedeutsame Notwendigkeiten für eine nachhaltige Pädagogik unbeachtet und sorgen für entwicklungshinderliche Einschränkungen. Viele Erzieher:innen klagen zusätzlich über zu viel Bürokratie und zu wenig Zeit für pädagogische Arbeit und das bei einem hohen Defizit an ausgebildeten Fachkräften in den allermeisten Bundesländern. Daher ist es notwendig, endlich den Begriff ‚BILDUNG‘ >ganzheitlich< zu verstehen und für qualitätsorientiertte Rahmenbedingungen zu sorgen, was nur mit einem konsequenten Perspektivwechsel und notwendigen Qualitätsverbesserungen gelingen kann.
Armin Krenz (Jg. 1952) hat in den letzten zwei Jahrzehnten als Honorarprofessor für Entwicklungspsychologie & Elementarpädagogik an vielen (außer)europäischen Universitäten und Instituten gearbeite sowie Fachtagungen, Qualitätsuntersuchungen & Trägerberatungen, Leitungscoachings, Teamentwicklungsbegleitungen durchgeführt und Vorträge unter dem Oberbegriff „Merkmale einer entwicklungsförderlichen Elementarpädagogik“ gehalten. Er ist Fachbuchgutachter und selbst Autor vieler Fachbücher und ungezählter Fachartikel.
Smartphones, Avatare und Lernroboter im Unterricht: Eine gute Idee?
Mit Prof. Dr. Ralf Lankau
Wann? Montag, 20. April 2026, 18:00 h
Dr. Ralf Lankau ist Professor für Mediengestaltung und Medientheorie an der Hochschule Offenburg, Grafiker, Kunstpädagoge und Medienwissenschaftler. Er gehört zu den Initiatoren des «Bündnisses für humane Bildung» und Kritikern des „Digitalpakts“ und der Transformation von Schule durch Tech- und Medienkonzerne. „Zum Denken lernen als Ziel von Lehre und Unterricht brauchen wir ein menschliches Gegenüber, den direkten Dialog.“
Die Debatte um IT und KI in Schule ist für Ralf Lankau keine technische, sondern eine zutiefst politische Frage. Im Zentrum steht für ihn nicht die Effizienz von Unterricht, sondern die Zukunft demokratischer Gesellschaften. Denn digitale Infrastrukturen seien längst Teil eines Machtgefüges, das auf „die Programmierung menschlichen Verhaltens“ zielt.
Lankau verortet diese Entwicklung im Kontext des Überwachungskapitalismus: Was einst als freier Kommunikationsraum begann, habe sich zu einer Struktur gewandelt, in der Datenökonomie, Zentralisierung und Kontrolle dominieren. Schule gerät dabei in eine Schlüsselrolle – nicht nur als Absatzmarkt, sondern als Ort, an dem Erwartungshaltungen, Denkweisen und Handlungsmuster der nächsten Generation geprägt werden.
Besonders kritisch sieht Lankau die Vorstellung, Lernen lasse sich technisch steuern. Hinter Konzepten wie „adaptivem Lernen“ oder KI-Tutoren stehe die „Illusion, dass Lernen technisch steuerbar sei“. Damit werde ein Menschenbild etabliert, das den Menschen auf einen Datensatz reduziert – anschlussfähig an kybernetische Steuerungslogiken, die Gesellschaft insgesamt regulierbar machen sollen.
Die Folgen sind empirisch sichtbar: Trotz wachsender Digitalisierung sinken zentrale Kompetenzen. Studien zeigen zugleich, dass KI zwar bessere Ergebnisse produziert, aber nicht zu eigenständigem Denken führt. Lankau spricht zugespitzt von einem „Entfähigungs-Tool“: Lernende delegieren kognitive Prozesse an Maschinen und verlieren damit die Fähigkeit, Probleme selbst zu durchdringen.
Diese Entwicklung hat eine klare demokratietheoretische Dimension. Bildung zielt laut Lankau auf Mündigkeit, Urteilsfähigkeit und Partizipation – allesamt Fähigkeiten, die nicht automatisierbar sind. Sie entstehen im Dialog, im Widerspruch, in sozialen Beziehungen. Entsprechend betont er: „Wir brauchen ein menschliches Gegenüber, den direkten Dialog.“
Dem stellt Lankau zwei Logiken gegenüber: Auf der einen Seite eine technokratische Steuerungslogik mit Zentralisierung, Datensammlung und permanenter Kontrolle. Auf der anderen Seite die pädagogische Logik, die auf Beziehung, Offenheit und Unvorhersehbarkeit setzt. Der Ausgang dieses Konflikts ist für ihn offen – aber entscheidend.
Denn wenn Schule den Primat der Technik übernimmt, droht mehr als ein pädagogischer Fehlweg: Es entsteht die Gefahr, dass Bildung ihre demokratische Funktion verliert. Wenn Menschen sich an algorithmische Vorgaben gewöhnen, Entscheidungen delegieren und Wirklichkeit nicht mehr selbst durchdringen, wird Demokratie strukturell geschwächt.
Lankaus zentrale Forderung ist daher eindeutig: „IT und KI müssen steuerbar sein – nicht der Mensch.“ Bildungspolitik müsse sich am pädagogischen Auftrag orientieren, nicht an den Interessen der Tech-Industrie. Nur so lässt sich sichern, dass Schule ein Ort bleibt, an dem Menschen lernen, selbst zu denken – und damit demokratisch zu handeln.
„Ist Pädagogik neutral? Bildung und Erziehung im Spannungsfeld von Postdemokratie und Demokratiebildung“
mit Dr. Katarina Schneider-Bertan (Uni Köln)
Wann? Montag, 23.3.26, 18 Uhr
Wo? per Zoom https://us02web.zoom.us/j/88224289388
Seit vielen Jahrzehnten bereits wird die Krise liberaler Demokratie beklagt, was sich heute vor allem mit der Diagnose des Postdemokratischen verbindet. Dabei spielt einerseits der Neoliberalismus als Wirtschaftsform und Ideologie eine zentrale Rolle, andererseits die zunehmend antidemokratischen und rechtspopulistischen Bestrebungen. Vor diesem Hintergrund geht es sowohl um die Frage, welche Auswirkungen postdemokratische Entwicklungen auf Bildung und Erziehung haben als auch darum zu fragen, welche Rolle Bildung und Erziehung spielen können und sollten, um jenen antidemokratischen Kräften entgegenzuwirken. Die These ist, Pädagogik ist politisch, ergo niemals neutral! Dafür wird vor allem der Ansatz kritischer Pädagogik herangezogen, der durch seine sehr breite diskursive Begründung, seine schul- und bildungspolitische Relevanz als auch seine radikal-demokratische Grundlegung der Pädagogik großes Potenzial birgt, auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren.
Gerade vor diesem Hintergrund geraten auch zentrale Bezugspunkte politischer Bildung wie der Beutelsbacher Konsens erneut in den Fokus, insbesondere in der gegenwärtig intensiv geführten Debatte um politische Neutralität von Schule und Lehrpersonen. Zu fragen ist dabei, ob und inwiefern der häufig normativ aufgeladene Neutralitätsanspruch selbst Teil jener postdemokratischen Verschiebungen ist und welche Konsequenzen sich daraus für eine differenzoffene, diskriminierungskritische, emanzipative und machtsensible Pädagogik in Theorie und Praxis ergeben.
Dr.’in Katarina Schneider-Bertan ist Erziehungswissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Internationale Beziehungen der Universität zu Köln. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Radical Democracy & Education, Critical Global Citizenship Education und Critical Pedagogy. 2024 erschien ihre Dissertation „Kritische Pädagogik im 21. Jahrhundert. Zur Aktualität von Henry A. Giroux‘ Critical Pedagogy“ im transcript-Verlag.