GESPRÄCHSKREIS BILDUNGSPOLITIK

Kategorie: Lehrkräftemangel

  • Lehrerbildungsmanifest des Bildungsrats von unten

     

    Genau ein Jahr nach dem heftig umstrittenen Gutachten der SWK zum Umgang mit dem Lehrkräftemangel –  hat der „Bildungsrat von unten“seine Empfehlungen zum Umgang mit dem Lehrkräftemangel und den SWK-Empfehlungen veröffentlicht. An diesem haben ein Jahr lang viele Lehrkräfte, Gewerkschafter*innen, Bildungspolitiker*innen und -forscher*innen mitgewirkt.
    Hier findet Ihr es als Manifest in der Kurzfassung:
    https://bildungsrat.org/wp-content/uploads/2024/01/Bildungsrat-Manifest-von-unten-Kurzfassung.pdf?utm_source=mailpoet&utm_medium=email&utm_campaign=aktuelles-zum-sommer-vom-bildungsrat-von-unten-9

    Und hier in der Langfassung:
    https://bildungsrat.org/wp-content/uploads/2024/01/Bildungsrat-Manifest-von-unten-30-01-2024.pdf?utm_source=mailpoet&utm_medium=email&utm_campaign=aktuelles-zum-sommer-vom-bildungsrat-von-unten-9

  • Schleichers Kritik an der Schule – oder an den Lehrkräften?

    „Lehrerinnen und Lehrer brauchen Freiräume, eigene Ideen zu entwickeln und kreative
    Unterrichtskonzepte zu erproben. Sie brauchen Gelegenheiten für den Austausch und für
    die gemeinsame Arbeit im Team. Nichts ist schlimmer als diese Kultur in Deutschland, dass
    man die Tür zum Klassenzimmer zumacht – und den Lehrer dort einfach nur alleinlässt.
    Und vor allem: Lehrkräft e brauchen, so ungewohnt es für viele in Deutschland klingt, auch
    Zeit für anderes, als immer nur zu unterrichten.“

    sagt OECD-Bildungsorganisator Andreas Schleicher in einem Interview in der Stuttgarter Zeitung vom 19. Januar 2024. In Deutschland hätten die Lehrer und Lehrerinnen zu wenig Gelegenheit, das zu tun, wofür sie den Beruf ergriffen haben, nämlich „jungen Menschen zu helfen, ihren Weg zu finden“. Sie brauchen mehr Freiräume, müssen anderes tun können als nur zu unterrichten. Darin sieht Schleicher den Weg, mehr Menschen für diesen Beruf zu gewinnen, und weniger in Gehaltssteigerungen. Dem kann ich nur zustimmen. Nicht so die Lehrerverbände, GEW und VBE. Sie sehen darin den Vorwurf  „mangelnde(r) Innovations- und Teamfähigkeit sowie unzureichende(r) Eigeninitiative“, so Maike Finnern in ihrer Pressemitteilung. Mag sein, dass Maike Finnern nachziehen wollte, nachdem der VBE harsche Kritik geübt hatte.

    Schleicher übt völlig zu Recht Kritik am deutschen Schulsystem, an der systemisch vorgegebenen Art der Lehrkräftetätigkeit. Man könnte so weit gehen und es den Lehrkräften als persönliches Versagen vorwerfen, dass sie sich in den vorgegebenen Rahmen einfügen und nicht einfach das tun, worin sie – und Schleicher – ihren Beruf sehen. Das tut Schleicher aber explizit nicht. Bedauerlich, dass die Verbände der Lehrkräfte nicht dessen Kritik am Schulsystem aufgreifen und daran mitwirken, ein anderes Verständnis der Arbeit zu entwickeln, was sowohl den Schüerinnen und Schülern als auch den Erwartungen angehender Lehrkräfte besser gerecht wird, im Sinne Schleichers.

    Karl-Heinz Heinemann, das ist meine persönliche Meinung.

  • taz-Interview mit Philipp Dehne zu PISA und SWK-Gutachten

    „Mischung aus Motivation und Überlastung“

    Die schlechten Arbeitsbedingungen an deutschen Schulen schrecken Lehrkräfte ab, sagt der Bildungsaktivist Philipp Dehne. Für besseren Unterricht brauche es ein Umdenken
    Philipp Dehne, 39, ist ausgebildeter Lehrer und Bildungsaktivist. Unter anderem engagiert er sich beim „Bildungsrat von unten“ und bei der Initiative „Schule muss anders“. Dehne war einer der Initiatoren des bundesweiten Bildungsprotestes am 23. September 2023.

    INTERVIEW RALF PAULI


    taz: Herr Dehne, die Pisa-Studie hat dem deutschen Bildungssystem gerade ein verheerendes Zeugnis ausgestellt. Die Politik erklärt den Leistungsabfall vor allem mit der Pandemie und der gestiegenen Heterogenität in den Klassen. Stimmen Sie zu?
    Philipp Dehne: Ich finde es falsch und gefährlich, wenn die Politik die Ergebnisse jetzt auf die Pandemie und den hohen Anteil an Schü­le­r:in­nen mit Migrationshintergrund abwälzt. Diese Analyse greift viel zu kurz. Vor allem, weil sich die Probleme im Bildungsbereich ja schon länger deutlich zeigen. Die zementierte Ungleichheit, der krasse Personalmangel, das veraltete Schulsystem.
    Sie haben selbst mehrere Jahre als Lehrer in Berlin-Kreuzberg und -Neukölln gearbeitet. Wie haben Sie die Arbeitsbedingungen erlebt?
    Als Mischung zwischen krasser Motivation und Überlastung. Die Kreuzberger Schule, an der ich vor allem gearbeitet habe, war stark armutsbelastet. Das Grundgefühl war: Ich sehe, dass viele meiner Schü­le­r:in­nen hier oder da dringend mehr Unterstützung bräuchten. Doch dafür reicht die Zeit einfach nicht – obwohl ich schon mehr arbeite. Das ist echt frustrierend. Diese Erfahrung machen aber viele Lehrkräfte.
    Dazu kommen die gestiegenen Erwartungen an Lehrkräfte – Stichwort Nahostkonflikt. Können die Schulen das alles leisten?
    Ich finde es wichtig, dass gesellschaftliche Konflikte und Krisen in der Schule behandelt werden. Viele Lehrkräfte sehen auch die Notwendigkeit, über den Nahost-Konflikt, über das Auseinanderdriften der Gesellschaft, über die Klimakrise zu reden. Nur sollen sie diese Themen on top machen, neben dem Stoff und den ganzen Verwaltungsaufgaben. Eigentlich brauchen wir ein Umdenken im Bildungssystem, das diesen lebensweltlichen Fragen dauerhaft mehr Zeit einräumt, nicht bloß dann, wenn Krisen gerade stark in den Medien sind.
    Die Bil­dungs­mi­nis­te­r:in­nen prüfen gerade neue Ideen der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK), um den Unterricht langfristig sicherzustellen. Unter anderem soll ein Ein-Fach-Master eingeführt, das Referendariat verkürzt und Assistenzlehrkräfte besser ausgebildet werden. Was halten Sie von den Vorschlägen?
    Im SWK-Gutachten stehen viele gute Ansätze. Etwa, dass die Kultusministerkonferenz endlich ihre Bedarfsprognosen verbessern oder Theorie und Praxis in der Lehramtsausbildung besser verzahnen muss. Auch die Ein-Fach-Lehrkräfte können bestimmt helfen, mehr Personen für den Job in der Schule zu motivieren. Ein verkürztes Referendariat erschließt sich mir hingegen nicht. Gerade weil die Praxis im Studium zu kurz kommt.
    Die SWK beklagt, dass die Lehrerausbildung in Deutschland mit durchschnittlich 6,5 Jahren zu lange dauert.
    Die Frage ist doch eher, ob das Lehramtsstudium gut auf den Beruf vorbereitet. Und da sagen immer wieder Studierende, dass es das nicht tut, auch weil es zu weit von der Schulrealität weg ist und die Verzahnung von Theorie und Praxis zu oft nicht gelingt. Bevor man pauschal die Dauer der Lehrerausbildung kürzt, sollte man erst bei der Qualität und den Studienbedingungen ansetzen.
    Der „Bildungsrat von unten“, in dem Sie sich engagieren, bezeichnet das SWK-Gutachten insgesamt als „praxisfern und mit blinden Flecken“. Was fehlt Ihnen?
    Das SWK-Gutachten liest sich so, als ob ein höherer Anteil an akademischem Input die Lösung für die Probleme und Herausforderungen bei der Lehrkräftebildung wäre. Das bezweifle ich. Mir fehlt die Erfahrung aus der Schulpraxis. Der Arbeitsalltag an Schulen muss stärker berücksichtigt werden.
    Haben Sie ein Beispiel dafür?
    Die SWK analysiert unter anderem, dass zu wenige junge Menschen heute auf Lehramt studieren, und schlägt deshalb vor, verschiedene Gruppen zielgerecht anzusprechen. Das Augenmerk liegt also auf der Werbekampagne. Man könnte aber auch sagen: Wir verbessern die Arbeitsbedingungen an Schulen. Wenn der Beruf attraktiv ist, ist das die beste Werbung. Dazu aber kein Wort.
    Manche Vorschläge sind aber auch sinnvoll, oder? Etwa, dass sich alle Leh­re­r:in­nen 30 Stunden im Jahr fortbilden müssen.
    Den Vorstoß begrüßen wir im Prinzip. Aber auch er verkennt die Situation an Schulen. Wir haben Kolleg:innen, die aufgrund der Personalsituation total überlastet sind. Dazu kommt, dass viele Fortbildungen kaum einen Mehrwert haben. Ich höre immer wieder von Lehrkräften, dass ihnen die Angebote für ihren konkreten Schulalltag wenig bringen.
    Kann es sein, dass Sie schlecht auf die SWK zu sprechen sind? Die Notmaßnahmen, die das Gremium im Januar gegen den Personalmangel empfahl, bezeichneten Sie damals als „Schlag ins Gesicht“ für die Lehrkräfte.
    (lacht) Zu dem Urteil stehe ich. Schließlich liefen viele der Maßnahmen auf Mehrarbeit der Lehrkräfte hinaus, in einer Situation, in der die Belastung durch den Mangel eh von Jahr zu Jahr steigt. Gegen die SWK habe ich nichts. Wir wollen aber ins Gespräch gehen über ihre und über unsere Perspektiven. Kommende Woche trifft sich der Bildungsrat von unten auch mit dem SWK-Vorsitzenden, um sich auszutauschen.
    Was die SWK vorschlägt, ist das eine. Was die Bil­dungs­mi­nis­te­r:in­nen umsetzen, steht auf einem anderen Blatt. Was würden Sie sich wünschen?
    Ende Januar werden wir vom Bildungsrat konkrete Vorschläge machen. Generell fordern wir mehr Verbindlichkeit bei der Umsetzung von gemeinsamen Zielen, zum Beispiel über einen Staatsvertrag. Für die Lehramtsausbildung etwa gibt es bis heute keine klaren Regeln, wie viele Lehrkräfte jedes Bundesland ausbilden muss. Ein zweiter Wunsch wäre, dass wir über die Stundentafel reden. An vielen Schulen fallen jeden Tag Stunden aus. Trotzdem tun wir so, als könnten wir die heilige Stundentafel aufrechterhalten. Da müssen wir uns ehrlich machen und überlegen, wie man die vorhandenen Ressourcen besser aufteilen kann.
    Und die 100 Milliarden Sondervermögen, die Gewerkschaften, SPD und Linke fordern?
    Die braucht es! Wir brauchen aber auch das Bewusstsein, wie viel Deutschland anteilig in Bildung investiert. Wenn wir uns da an Ländern orientieren, die bei Pisa besser abschneiden, müssen wir ordentlich drauflegen. 50 Milliarden pro Jahr, wenn wir so viel ausgeben wie Dänemark. Wenn wir zu Norwegen aufschließen wollen, müssten wir jedes Jahr sogar 120 Milliarden Euro mehr ausgeben.

     

    https://taz.de/Archiv-Suche/!5976170&s=dehne&SuchRahmen=Print/

  • „Praxisfern und mit blinden Flecken“ – Bildungsrat von unten zum SWK-Lehrkräfte-Gutachten

    Bildungsrat von unten!

    Hallo Karl-Heinz,
    lange wurde auf das Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) gewartet … vorgestern wurde es nun der KMK und der Presse vorgestellt. WIr haben vor dem Hintergrund der Debatten, die wir in den letzten Monaten innerhalb des Bildungsrat von unten! geführt haben, als Koordinierungskreis eine erste Bewertung der Vorschläge und des Gesamtansatzes vorgenommen. Am 12.12. wird das SWK-Gutachten in einem sog. „SWK-Talk“ der Öffentlichkeit vorgestellt und am 21.12. haben wir im Bildungsrat die Möglichkeit, mit Prof. Dr. Köller als dem Vorsitzenden der SWK die Vorschläge zu diskutieren (siehe unten). Unser eigenes „alternatives Gutachten“ werden wir Ende Januar 2024 vorlegen. Bis dahin alles Gute und einen geruhsamen Jahresausklang …
    Herzliche Grüße vom Koordinierungsteam Mark, Bob, Susanne & Philipp

    Unsere Stellungnahme zum SWK-Gutachten:

    „Praxisfern und mit blinden Flecken!“

    Der Koordinierungskreis des Bildungsrats von unten! hat kurzfristig eine erste, vorläufige Stellungnahme zum SWK-Gutachten veröffentlicht. Die SWK hat ihr Gutachten am 8.12.2023 vorgestellt und dabei stark auf die universitäre Perspektive und Bedarfslage fokussiert. Der Bildungsrat von unten! kommt zu einer differenzierten Bewertung, sieht jedoch vor allem eine hohe Praxisferne und eine Reihe blinder Flecken. [Stellungnahme vom 10.12.2023].

    Diskussion SWK-Gutachten mit Vorsitzenden Prof. Dr. Köller

    Es ist uns gelungen, den (Co-) Vorsitzenden der SWK, Herrn Prof. Dr. Köller, für eine Diskussion zum SWK-Gutachten zu gewinnen. Wer sich auf die Debatte vorbereiten will, kann die Zusammenfassung der 155 Seiten lesen. Auch unsere erste, vorläufige Stellungnahme zum Gutachten (siehe oben) wird zur Lektüre empfohlen. Die Diskussion findet digital als Zoom-Sitzung statt und ist offen (d.h. ohne Registrierung) zugänglich:

    Diskussion mit Prof. Dr. Köller (Vorsitzender)
    zum SWK-Gutachten
    Donnerstag, 21. Dezember 2023 um 18:00h

    https://eu02web.zoom-x.de/j/66603952302?pwd=TjlNaE83WTlHUXREaGt2bmc4RkZ2UT09

    Der weitere Zeitplan des Bildungsrats von unten!

    • 21.12.2023 18:00 Uhr Plenum mit dem Co-Vorsitzenden der SWK, Prof. Dr. Köller, zu den konkreten Vorschlägen aus dem Gutachten und erste Bewertung durch Bildungsrat
    • November/ Dezember 2023: Erarbeitung der Stellungnahme in Cluster und Redaktionsgruppe
    • Januar 2024 Abschließendes Plenum Finalisierung und Veröffentlichung Stellungnahme Bildungsrat von unten
    • Februar 2024 Plenum zur politischen Bewertung der Situation und der weiteren Perspektive
    Mark Rackles & Bob Blume & Susanne Posselt & Philipp Dehne
  • GEW begrüßt SWK-Gutachten zur Lehrkräftegewinnung und -bildung

    Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat das neue Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Lehrkräftegewinnung und Lehrkräftebildung begrüßt und Bund und Länder aufgefordert, rasch die Weichen für die Stärkung und Reform der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern zu ergreifen. Hier die Zusammenfassung des Gutachtens SWK-2023_Gutachten_Lehrkraeftebildung_Zusammenfassung

    und die GEW-Stellungnahme.

    20231212 GEW zu SWK-Gutachten

     

  • Ausschreibung: Studie zum Stand der Lehrerinnenbildung

    Die Rosa-Luxemburg-Stiftung schreibt eine kleine Studie zum Thema Lehrkräftebildung aus. In dieser soll die aktuelle Lehramtsausbildung (insbesondere die universitäre Phase) analysiert und folgende Fragen beantwortet werden: Wie sieht die in der KMK verabredete Struktur der Lehramtsausbildung (Verhältnis Fachwissenschaft/Bildungswissenschaft, Methodik/Didaktik, Psychologie und Praxis) aus? Werden gesellscjaftlich relevante Fragen, Veränfderungen in der Gesellschaft und in der SchülerInnenschaft in der Ausbildung berücksichtigt?Gibt es ggf. internationale Beispiele?

    Abschließen soll die Studie mit konkreten Handlungsempfehlungen: WER (Bund und/oder Länder) sollte künftig stärker in der Verantwortung für die Lehrkräftebildung genommen werden? WIE müsste eine Lehramtsausbildung aussehen, die den gesellschaftlichen Herausforderungen entspricht und junge Menschen gut für ihren Job als Lehrer*in vorbereitet? WELCHE Vorschläge relevanter bildungspolitischer Akteure (KMK, Politik, GEW etc.) existieren? Was bedarf es, um mehr junge Menschen für das Lehramt zu gewinnen und sie auch erfolgreich zu einem Abschluss zu führen? Gibt es erfolgreiche Modellprojekte (in Deutschland oder Skandinavien)?

    Die Bewerbung mit einer Skizze der Studie soll bis zum 31.10.2023 erfolgen, ein Entwurf soll bis zum 15.12.2023 vorliegen.

    Für die Erstellung der Studien sind 5.000,- € (brutto) vorgesehen.

    Die Unterlagen für die Ausschreibung findet Ihr hier.

  • GEW und VBE: „In Bildung investieren und den Lehrkräftemangel beseitigen“

    Bildungsgewerkschaften zum „Weltlehrkräftetag 2023“

    Frankfurt a.M./Berlin – Zum Weltlehrkräftetag am 5. Oktober machen sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) für den Kampf gegen den Lehrkräftemangel stark und mahnen dringend notwendige Investitionen im Bildungssystem an. „Lehrkräfte leisten einen unverzichtbaren pädagogischen Beitrag in den Bildungseinrichtungen und für die Gesellschaft. Das muss in mehr Wertschätzung und einer deutlich besseren Finanzierung des gesamten Bildungssystems sichtbar werden“, stellten die beiden größten Bildungsgewerkschaften in Deutschland am Mittwoch fest. Der Welttag 2023 steht unter dem Motto: „Gute Bildung braucht Lehrkräfte – Lehrkräftemangel weltweit bekämpfen“.

    GEW und VBE machten deutlich, dass es für das Engagement der Lehrkräfte mehr Unterstützung und bessere Arbeitsbedingungen brauche: „Die Profession muss wieder attraktiver werden. Nur so schaffen wir es, wieder mehr junge Menschen für den wunderbaren Lehrberuf zu gewinnen.“ Dieses Anliegen unterstützt auch das Europäische Gewerkschaftskomitee für Bildung und Wissenschaft (EGBW).

    Laut Schätzungen der UNESCO werden bis zum Jahr 2030 weltweit über 69 Millionen neue Lehrkräfte benötigt, damit der Mangel nicht immer größer wird. Die Bildungsinternationale (BI), der weltweite Zusammenschluss von 400 Bildungsgewerkschaften, appelliert mit ihrer Kampagne „An die Öffentlichkeit gehen! Bildung finanzieren“ („Go Public! Fund Education!“) an die Regierungen der Staaten, stärker in Lehrkräfte und eine qualitativ hochwertige öffentliche Bildung zu investieren.

    „Wir brauchen eine Kehrtwende in der Bildungspolitik: jetzt! Als Anschubfinanzierung schlagen wir ein 100-Milliarden-Euro-Programm vor. Die zusätzlichen Gelder sollten beispielsweise in den Ausbau des inklusiven Ganztags an Grundschulen fließen. Das ist ein zentrales gesellschafts- und bildungspolitisches Projekt, das einen wichtigen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten kann – insbesondere für Kinder aus armen und bildungsfernen Familien“, sagte GEW-Vorsitzende Maike Finnern

    Gerhard Brand, Bundesvorsitzender des VBE, betont das Miteinander aus Bildung und Demokratie: „Lehrkräfte leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Erhalt unserer Demokratie. Schülerinnen und Schüler müssen dazu befähigt werden, sich an den teils komplizierten demokratischen Prozessen beteiligen zu können. Die Politik muss diesen Stellenwert endlich erkennen, die Arbeitsverhältnisse vor Ort entscheidend verbessern und bundesweit massiv in die Gewinnung neuer Lehrkräfte investieren.“

    Info: Der Weltlehrkräftetag wird seit 1994 jährlich am 5. Oktober gefeiert. Die UNESCO, die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die Bildungsinternationale (BI) haben ihn ins Leben gerufen. Der 5. Oktober ist für die internationale Bildungsbewegung ein herausragendes Datum: 1964 haben UNESCO und ILO die „Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer“ angenommen. Damit war es zum ersten Mal gelungen, in einem internationalen Konsens den Status des Lehrberufs in der Gesellschaft und die Verpflichtung der Politik zur Sicherung ausreichender Arbeits- und Lebensbedingungen für Pädagoginnen und Pädagogen festzuschreiben.

    Die BI ist der internationale Dachverband von rund 400 Bildungsgewerkschaften aus 170 Ländern. Sie vertritt weltweit fast 30 Millionen im Bildungswesen Beschäftigte. GEW und VBE sind Mitglieder der BI.

    Hier finden Sie Informationen zur Kampagne der BI „Go Public! Fund Education“ und des EGBW „Make Teaching Attractive” https://www.csee-etuce.org/en/campaigns/make-teaching-attractive.

    Weltlehrkraeftetag

  • Heinz Klippert und Martina Seifert im Gespräch: Nicht nur mehr Lehrkräfte, sondern andere Schulkultur

     

    Nach 60 Jahren erleben wir wieder eine Bildungskatastrophe. Warum haben alle möglichen Reformversuche nichts gebracht? Und reicht es, jetzt mehr Lehrkräfte und mehr Geld zu fordern? Heinz Klippert, der Methodentrainer, und Martina Seifert, ehemalige Schulleiterin der Green-Gesamtschule in Duisburg-Rheinhausen, meinen: Nein. Lehrkräfte müssen anders arbeiten, SchülerInnen müssen anders lernen.Darüber haben wir mit ihnen gesprochen.

    Hier unser Gespräch.

  • Ad-Hoc-Maßnahmen gegen den Lehrkräftemangel

    Vorschläge aus den Schulpreisträger-Schulen

    Der Personalmangel ist derzeit die größte Herausforderung für Schulen. Und die angespannte Situation wird nach aktuellen Prognosen noch viele Jahre bleiben. Was also tun? Diese Frage stand im Mittelpunkt der bundesweiten Jahreskonferenz des Preisträgernetzwerks der Schulen, die seit 2006 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden.

    https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/preistraegernetzwerk-deutscher-schulpreis-was-hilft-schulen-beim-umgang-mit-personalmangel/

  • Lehrkräftemangel beheben – Vorschläge aus der RLS

    „Die angestellten Überlegungen zu Strategien gegen den Lehrkräftemangel sind weder neu noch revolutionär“, stellt Katrin Schäfgen, Referentin für Bildungspolitik im Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung fest. Wie es zu diesem eklatanten Mangel kommen konnte, dürfte allen Beteiligten klar sein. Und dass es kaum ad-hoc-Lösungen gibt. Das kann man in Katrins Artikel nachlesen. „Auch wenn klar ist, dass der Lehrkräftemangel uns noch mindestens 20 Jahre begleiten wird, bedarf es einer konzertierten Aktion von Bund, Ländern und Kommunen, um den Mangel mittelfristig zu beheben.“  Das von Bettina Stark-Watzinger euphemistisch als „Bildungsgipfer“ titulierte Treffen lässt nicht erkennen, dass es zu dieser Konzertierten Aktion kommt.

    https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/lehrkraeftemangel/