Eine Studie der Universität Helsinki stellt die Digitalisierung des Schulunterrichts infrage. Lernergebnisse werden demnach durch den Einsatz digitaler Medien nicht zwangsläufig besser, schwächere Schüler könnten davon sogar überfordert werden und weiter zurückbleiben.

Ein Beitrag im DLF von Carsten Schmiester – hier der Link:

Die Grenzen des digitalen Unterrichts

Ein Gedanke zu “Die Grenzen des digitalen Unterrichts”

  • Sowohl die SZ als auch die FAZ machen jetzt Dossiers (Serien) zur „Digitalisierung“. Das Thema Digitalisierung / Künstliche Intelligenz wird uns in der nächsten Zeit ausgiebig beschäftigen.
    In unserer bisherigen, auf den engeren Kreis der InteressentInnen für den GK Bildungspolitik beschränkten Dropbox, in der unterscheidliche Materialien v.a. aus der Presse eingestellt sind, kann man auch schon differenziertere Analysen finden, die über das, was jetzt in diesen Zeitungen zu lesen ist, hinausgehen. Aber vielleicht wird das ja noch differenzierter.
    Im Augenblick ist in der Mehrheit der publizistischen Äußerungen die Argumentation nur: die Maschinen seien „noch nicht so weit“ wie das „Gehirn“. In beiden Veröff-Linien (FAZ; SZ) ist bisher noch nicht die Rede davon, dass „das Gehirn“ kein datensammelnder „mustererkennender“ Apparat (ein wenig davon ist in der SZ zu lesen), sondern Bewusstsein etwas Gesellschaftliches, Historisches ist. Dabei ist die Reduktion in der Problembeschreibung, nämlich das „Organ Gehinr“ mit Algorithmen verarbeitenden Maschinen gleichzusetzen, schon Teil des gegenwärtigen, gesellschaftsweiten Wahrnehmungsdefizits, das eine vernünftige öffentliche Bearbeitung der mit diesen Technologien aufgeworfenen Probleme verhindert. Darin ist der „Mensch als Maschine“, diese schon sehr alte Vorstellung (LaMettrie, „L’homme machine“, 1748, oder „Frankenstein“), schon als die einzige mögliche Wahrnehmung des Menschen – enspr. dem „Gesellschaftsbild des Ingenieurs“ (Hortleder 1970) – gesetzt. Wären die Menschen eine gegenwärtig für Technologie bloß noch zum Nachbauen zu komplizierte Maschine, könnten wir uns jetzt schon einsargen, denn einen derart definierten „Wettlauf“ gewinnt kein „Gehirn“.
    Für das wirkliche Darüber-Nachdenken brauchen wir (wieder) ein gesellschaftliches und historisches Verständnis vom Menschen. Anlass ist also gegeben, über „Erkenntnis“ nachzudenken, weil ja behauptet wird, die Maschinen würden „erkennen“ – und dabei wird absichtlich eine Verwechslung von technisch definierter Muster“erkennung“ und menschlicher Erklenntnis herbeigeführt.
    Auch muss im gesellschaftlichen Raum die Einsicht entwickelt werden, dass dieses Nachdenken von vielen, ganz vielen gemacht werden muss – darum kommen wir nun nicht mehr herum, in allen Bildungsbereichen und auch schon auf der Entwicklungsstufe der ganz Kleinen, denn die medienindustrielle digitale Durchformatierung macht ja noch nicht einmal vor dem Kindergarten Halt, bzw. es wird ihr auch dort kein Widerstand mehr entgegengesetzt. Deshalb meine Vorstellung von einer „neuen polytechnischen Bildung“ als Bestandteil von Allgemeinbildung … Es war einmal Konsens, dass Bildung mit dem Gebrauch der Vernunft zu tun haben sollte – in den Bildungsinstitutionen muss jetzt dringend auf der Vernunft, auf (neuer) Aufklärung auf allen Ebenen und Niveaus bestanden werden – wobei die Kantsche Formulierung dessen, was Aufklärung ist, für die Gegenwart phänomenal ins Schwarze trifft! Vernunftgebrauch aus gesellschaftlichen Zusammenhängen heraus – und nicht aus maschinellen! Die Erkenntnis ist über einige Indizien schon weit hinaus, dass medienfernere Kinder die aufgeweckteren sind. Leider hört man das bis jetzt nur von den verstockten Konservativen. (Warum?) – Aber Letzteres bleibt, wie alles, noch zu diskutieren, weil sich im gesellschaftlichen Maßstab Medienaffinität (als gesellschaftlich äußere, sichtbare Form der Digitalisierung) und Klassenspezifik kompliziert überkreuzen. Die Helotisierung durch „Digitalisierung“ betrifft alle gesellschaftlichen Klassen; nur können sich einige davon besser befreien als andere. Deshalb müssen Leute wie die Frau Bähr, die meinen, Schule, Lernen müsse „gamifiziert“ werden, ins Abseits gestellt werden, und es muss ihnen öffentlich entgegen getreten werden, wenn sie für eine solche Dummheit dann sich auch der historischen und auch reformpädagogischen Binsenweisheit bedienen, dass Lernen (auch) beim Spielen (aber bei welchem?) erfolgt.
    Sichtbar wird auch in den jetzt in den Zeitungsmedien begonnenen Debatte, aber auch teilweise in den anderen, auch wissenschaftlichen Formaten zu diesen Entwicklungen, dass die (internationale) Postmoderne fast überall einen Antihumanismus (s.o., also u.a. „Gehirn-Maschine“) implementiert hat, der auch dort zum Mainstream geworden ist, wo Leute meinen, sie wären „kritisch“ oder aufmerksam (politisch gesprochen also z.B. bei den Grünen, aber auch vielfach in der Linken).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert