GESPRÄCHSKREIS BILDUNGSPOLITIK

Aktuelles

  • Solidarität mit den Schulstreiks gegen Wehrpflicht

    Der Gesprächskreis Bildungspolitik solidarisiert sich mit den bundesweiten Schüler:innenprotesten gegen die Wehrpflicht:

    Am 5. Dezember hat die Bundesregierung im Bundestag gegen unseren Willen über unsere Zukunft entschieden. und hat erste Schritte hin zur Wiedereinführung der Wehrpflicht beschlossen: verpflichtende Fragebögen für junge Männer ab jetzt, verpflichtende Musterung ab Juli 2027. Die Mehrheit der Jugendlichen lehnt die Wehrpflicht ab. Bis jetzt waren schon über 55.000 Schüler*innen dagegen auf der Straße und haben die Schule bestreikt. Für die Wehrpflicht gab es keine einzige Demo. Damit haben wir in ganz Deutschland deutlich gemacht:

    Wir machen da nicht mit!

    Die Bundeswehr will an unseren Schulen werben.

    Wir wollen Friedensbildung!

     

    Rheinmetall will, dass die Aktien weiter steigen.

    Wir wollen Geld für Bildung und Soziales!

     

    Merz will, dass die Bundeswehr die größte Armee Europas wird.

    Wir wollen Frieden!

     

    Pistorius will, dass wir kriegstüchtig werden.

    Wir wollen eine Zukunft!

     

  • Wo die Reichen wohnen…

    dort gibt es die meisten und die besseren Schulen und Krankenhäuser.

    Ist vielleicht keine besonders neue Erkenntnis. Aber jetzt beunruhigt sie soger die FAZ. In der Sonntags-FAZ wurden einige Daten zusammengetragen, die diese ungleioche Verteuilung von Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen belegen. Die ungleiche Verteilung von Vefrmögen und von Bildungs- und Lebnschancen wird dadurch nioch zusätzloch verschärft, statt abgebaut.

    Warum in Deutschland Ungleichheit bei Bildung und Gesundheit besteht _ FAZ

  • „Siegburger Konsens“ verabschiedet – gegen Menschenfeindlichkeit und demokratiefeindliche Ideologien

    Deutliches Zeichen gegen Populismus und Autoritarismus: Lehrkräfte aller Schulen im nordrhein-westfälischen Siegburg haben gemeinsam den sogenannten „Siegburger Konsens“ verabschiedet – ein Bekenntnis zu Grundgesetz und Rechtstaatlichkeit, gegen Menschenfeindlichkeit und demokratiefeindliche Ideologien. Formuliert wird ein pädagogischer Anspruch, der über den klassischen Beutelsbacher Konsens hinausgeht.

    Der verabschiedete Konsens sei ein „starkes gemeinsames Zeichen“ der Schulen, so heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Stadt Siegburg. Ausgangspunkt ist der Befund, dass„wachsende Angriffe auf unsere freiheitlichen Werte“ die Demokratie in Deutschland bedrohen. Die Lehrkräfte bekennen sich in dem Papier „zur aktiven Förderung einer demokratischen, offenen und vielfältigen Gesellschaft“. Politische Bildung, so die zentrale Botschaft, dürfe nicht mit Neutralität gegenüber Verfassungsfeinden verwechselt werden.

    Der Siegburger Konsens stützt sich ausdrücklich auf die „verfassungsmäßigen Pflichten von Beamten und Beschäftigten im Öffentlichen Dienst“. Wörtlich heißt es: „Demokratiebildung bedeutet nicht politische Neutralität gegenüber demokratiefeindlichen oder menschenverachtenden Positionen – im Gegenteil.“ Schulen müssten Orte sein, „an denen Menschenwürde, Grundrechte und demokratische Prinzipien geschützt und aktiv verteidigt werden“.

    Vier Leitlinien geben die Richtung vor. Im Wortlaut:

    1. „Keine Duldung von Menschenfeindlichkeit: Extremismus, Rassismus, Antisemitismus oder andere Formen der Diskriminierung haben an Schulen keinen Platz.
    2. Stärkung mündiger Schüler: Kinder und Jugendliche sollen demokratische Prozesse verstehen, kritisch denken und Verantwortung übernehmen.
    3. Förderung von Respekt und Vielfalt: Schulen bekennen sich zu einer offenen Gesellschaft, die auf den Werten des Grundgesetzes basiert.
    4. Haltung zeigen im Schulalltag: Lehrkräfte sollen demokratische Werte aktiv vorleben und in Unterricht und Schulkultur verankern.”

    Der bekannte Beutelsbacher Konsens bleibt dabei ausdrücklich bestehen. Die Übereinkunft, Ergebnis einer Tagung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg zusammen mit Politikdidaktikern im Jahr 1976, bildet seitdem die Grundlage politischer Bildung.

    Er formuliert drei Grundprinzipien. Erstens gilt das Überwältigungsverbot. Danach ist es nicht erlaubt, Schülerinnen und Schüler „mit welchen Mitteln auch immer im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln“ oder sie an der „Gewinnung eines selbständigen Urteils“ zu hindern. Zweitens gilt das Kontroversitätsgebot. „Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.“ Werden unterschiedliche Standpunkte nicht dargestellt, Optionen unterschlagen oder Alternativen nicht erörtert, sei der Weg zur Indoktrination beschritten. Drittens sollen Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und ihre eigene Interessenlage zu analysieren sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene politische Lage im Sinne ihrer Interessen zu beeinflussen.

    „Demokratiebildung bedeutet nicht politische Neutralität gegenüber demokratiefeindlichen oder menschenverachtenden Positionen – im Gegenteil”

    Die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall geführte AfD versucht immer wieder, Lehrkräfte mit Verweis auf den Beutelsbacher Konsens einzuschüchtern – und Kritik an ihren völkischen und migrantenfeindlichen Positionen als „Indoktrination“ zu diskreditieren.

    „Demokratiebildung bedeutet nicht politische Neutralität gegenüber demokratiefeindlichen oder menschenverachtenden Positionen – im Gegenteil”, so heißt es deshalb nun im Siegburger Konsens. „Schulen müssen Orte sein, an denen Menschenwürde, Grundrechte und demokratische Prinzipien geschützt und aktiv verteidigt werden.”

    Lehrkräfte seien vielmehr verpflichtet, „demokratieschädlichen Aussagen und Handlungen entschieden zu widersprechen und ihnen keinen Raum zu bieten“. Ziel sei es, Kinder und Jugendliche zu befähigen, sich „als verantwortungsvolle und couragierte Bürgerinnen und Bürger in die Gesellschaft einzubringen“. Politische Bildung solle ihnen helfen, „eigene Positionen zu entwickeln und für ihre Rechte einzustehen – stets auf Basis der Menschenrechte und des Grundgesetzes“.

    Entstanden ist der Konsens im Rahmen der sogenannten „BildungsWerkstadt“, einer Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer aller Siegburger Schulen. Zuletzt kamen rund 400 Teilnehmende im Gymnasium Alleestraße zusammen. Ziel der Fortbildung ist es, Pädagoginnen und Pädagogen „Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie ihren Arbeitsalltag in Zeiten des rapiden technischen und gesellschaftlichen Wandels erfolgreich bestreiten“. Genannt werden ausdrücklich die Herausforderungen durch Digitalisierung, Migration, Pandemie und politischen Extremismus – Entwicklungen, die „massiv Einfluss nehmen auf den Bildungsbereich“. News4teachers

  • Online-Diskussion am 19.1.26: Friedensbildung – Konflikte verstehen und Probleme lösen: Klassenrat in der Primus-Schule Berg Fidel – Geist in Münster. Mit Dr. Reinhard Stähling

    Konflikte verstehen und Probleme lösen:

    Klassenrat in der Primus-Schule Berg Fidel – Geist in Münster

    Wann? Montag, 19.1.26 von 18-20:00 Uhr
    
    Wo? online per Zoom 
    https://us02web.zoom.us/j/88911089079
    

    Hilfreich für friedliche Lösungen bei mehr oder weniger gewaltsamen Konflikten ist, die andere Seite zu verstehen. Dies können wir in der Schule, besonders im Klassenrat lernen.

    Klassenrat als ein Kreis, in dem wir uns gegenseitig verstehen lernen? Das ist in der neueren Literatur über Klassenrat ungewöhnlich. Dort verbindet man ihn meist mit „Aushandeln“, „Abstimmung“ und „Mitbestimmung“ im Rahmen von „Demokratielernen“, aber nicht mit „lästigen“ Problemen. Das Verstehen und Lösen von Problemen mit Hilfe der Gruppe hat jedoch eine wertvolle Tradition in der Pädagogik, die u.a. auf der Individualpsychologie Alfred Adlers basiert.

    Wie wir diesen verstehenden Klassenrat machen, möchte ich in dieser Veranstaltung zeigen. In der Schule im Brennpunkt Berg Fidel einigten wir uns mit den Eltern schon in den 1990er-Jahren: Wir schauen bei Problemen nicht weg. In jeder Klasse gibt es wöchentlich eine Stunde Klassenrat, um über Streit, Probleme und Gefühle zu sprechen und einander verstehen zu lernen.

    In dieser Veranstaltung wird die solidarische Arbeit der inklusiven Primus-Schule Berg Fidel – Geist (Jg. 1-10) vorgestellt und die Bedeutung des Klassenrats erläutert.

    Hier klicken für eine Leseprobe zum Buch „Praxis Klassenrat“!

     

     

    Dr. Reinhard Stähling, geb. 1956, ist ehemaliger Schulleiter der Primus-Schule Berg Fidel – Geist in Münster, individualpsychologischer Berater, Autor pädagogischer Bücher und Fortbildungsleiter. 

    Kontakt: 01752943162 und ggs-bergfidel@gmx.de

  • Reformpädagogik – Mythen und Realitäten – Tagungsvideo und Material

    Hier findet Ihr das ausführliche Manuskript des Vortrags

    Reformpädagogik: Mythos, Realitäten und Anschlüsse

    von Jürgen Oelkers. Hier seine ppt.

    und hier das Video seines Vortrags.

    Jürgen Oelkers stellt an einigen Beispielen die Vielschichtigkeit dessen dar, das sich hintzer diesem Begriff vefrbirgt: Golo Mann im Internat in Salem, am Verglcih Montessori und Dewey stellt er exemlarisch dar, wie in der „bürgerlichen“ Reformpädagogik (dieses Attribut lehnt er ab) der gesellschaftliche Beziehungsaspekt ausgeblendet wird, an Dewey und dem Dalton-Plan zeigt er, wie sich Demokratie und Bildung gegenseitig bedingen, und schließlich stellt er uns eine bislang recht unbekannte kommunistische „Reformpädagogin“ und Schulgründerin, Tami Oelfken, vor.

    Das Referat von Edgar Weiss:

    Reformpädagogik – eine brauchbare pädagogikhistorische Subsumtionskategorie?

    findet Ihr hier

    In Deutschland wurde der Begriff „Reformpädagogik“ durch die VertreterInnen der geisteswissenschaftlichen Pädagogik popularisiert und auf deren Vertreter in der Zeit von 1900 bis 1933 bezogen – eine willkürlcihe und irreführende Zeitgrenze. Sie ist zu denken im Zusammenhang und als Folge der Industrialisierung, „Reformpädagogen“ waren sowohl die Humanisten als auch die Philantropen, sie geht also zurück bis ins 18. Jahrhundert. Und auch 1933 war kein „Schlussstrich“, die nationalsozialistische Pädagogik konnte nahtlos an Pädagogen wie Petersen oder Montessori, selbst eine glühende Faschistin, anschließen, im Nachkriegs-Westdeutschland wurden diese Traditionen wieder aufgenommen, während die sozialistischen und individualpsychologisch inspirierten Ansätze zunächst keine Rolle mehr spielten.

     

  • Friedensbildung in Zeiten der Kriegsvorbereitung – Veranstaltungsdokumentation

     

    Unsere Oline-Veranstaltung am 27. Oktober – „Friedensbildung in Zeiten der Kriegsvorbereitung“ – war trotz des deprimierenden Themas recht ermutigend. Nicht nur wegen der 50 Teilnehmenden, sondern auch, weil die Referentin und der Referent – Martina Schmerr von der GEW und Lutz van Dijk  langjähriger Aktivist für Frieden und Menschenrechte, er lebt heute in Kapstadt – Möglichkeiten der Friedensbildung zeigen konnten. Sie ermutigten: auch und gerade gegen den aktuellen Mainstream kann man etwas verändern. Die Idee, gemeinsam zu erklären, dass man bei der Kriegsertüchtigung nicht mitmachen werde, fand breite Resonanz, über die Differenzen in der Einschätzung der Kriege in der Ukraine und im Gaza hinweg.

    Hier eine Videodokumentation. Wir haben aus Datenschutzgründen nur  zwei Diskutanten in die Dokumentation aufnehmen können, von dneen wir die Genehmigung dazu hatten. Dass dem Video ein Logo der RLS NRW unterlegt ist bitten wir zu entschuldigen.

    Und hier eine Zusammenfassung:

    „Friedensbildung in Zeiten der Kriegsvorbereitung“
    Mit Martina Schmerr, GEW-Hauptvorstand, und Lutz van Dijk, Autor und Friedensaktivist
    In der Online- Veranstaltung „Friedensbildung in Zeiten der Kriegsvorbereitung“ diskutierten 50 Teilnehmende, wie Friedensbildung unter Bedingungen gelingen könne, in denen staatliche Politik, öffentliche Rhetorik und gesellschaftliche Wahrnehmungen zunehmend von militärischen Logiken geprägt seien. Bereits zu Beginn betonten die Teilnehmenden, dass bewusst von Friedensbildung gesprochen wurde. Der Begriff Erziehung sei vermieden worden, da dieser eine einseitige Form der Einflussnahme suggeriere. Friedensbildung müsse sich hingegen an demokratischen Prinzipien orientieren: Sie solle kritisches Denken ermöglichen, Gewissensbildung stärken, moralische Urteilsfähigkeit fördern und jungen Menschen helfen, komplexe globale Zusammenhänge zu verstehen.
    Lutz van Dijk erinnerte an die Friedensbewegung in den 1980er-Jahren in Westdeutschland. Hunderttausende waren auf den Straßen, um gegen atomare Aufrüstung und für Abrüstungskonzepte zu demonstrieren. Friedenspädagogik sei an Universitäten und Schulen präsent gewesen; Medien und Zivilgesellschaft hätten intensiv über Krieg, Frieden, Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung debattiert. Diese Zeit sei durch ein breites Bewusstsein dafür geprägt gewesen, dass Frieden aktiv gestaltet und verteidigt werden müsse — nicht militärisch, sondern gesellschaftlich und politisch.
    Im Kontrast dazu sei heute ein tiefgreifender Paradigmenwechsel zu beobachten. Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sei eine „Zeitenwende“ ausgerufen worden, die nicht nur finanzielle Aufrüstung, sondern auch eine veränderte Sprache und Grundhaltung in Politik und Medien mit sich gebracht habe. Begriffe wie „Kriegstüchtigkeit“, „Verteidigungsfähigkeit“ oder „robuste Sicherheitspolitik“ seien in den Mainstream gerückt. Friedenspolitische Positionen würden dagegen häufig marginalisiert oder als naiv dargestellt. Die Diskutierenden betonten, dass dieser Wandel nicht nur sicherheitspolitisch relevant sei, sondern auch Auswirkungen auf Bildungsdiskurse, gesellschaftliche Emotionalität und die Legitimität von Friedenspositionen habe.
    Martina Schmerr stellte die wachsende Präsenz der Bundeswehr im Bildungsbereich dar. Jugendoffiziere suchen regelmäßig Schulen auf, gestalten Unterrichtseinheiten, die Bundeswehr ist auf Bildungsmessen vertreten und betreibt digitale Marketingkampagnen. In mehreren Bundesländern bestehen Kooperationsvereinbarungen zwischen Bildungsministerien und Bundeswehr, die sicherheitspolitische Bildung in der Schule strukturell verankerten. Dies sei insbesondere deshalb kritisch zu betrachten, weil junge Menschen gezielt angesprochen würden, zum Teil noch Minderjährige. Die Gefahr bestehe, dass die Perspektive der Bundeswehr als quasi „offizielle“ Sicht erscheine, während zivilgesellschaftliche Friedensperspektiven strukturell weniger präsent seien.
    Demgegenüber stellten die Referent*innen das Konzept einer umfassenden Friedensbildung. Diese sei nicht bloß die Abwesenheit von Gewalt, sondern ein aktiver pädagogischer Prozess. Friedensbildung umfasse u. a.:
    • Konflikt- und Kommunikationskompetenz
    • Demokratie- und Menschenrechtsbildung
    • Medien- und Desinformationskritik
    • Empathie, Perspektivübernahme und Gewaltprävention
    • kritische Auseinandersetzung mit Macht, Interessen und globalen Ungleichheiten
    Betont wurde, dass Friedensbildung strukturelle Verankerung benötige — in Lehrplänen, Schulprogrammen, Ausbildungsinstitutionen für Lehrkräfte und in der wissenschaftlichen Begleitung. Einzelne engagierte Lehrkräfte seien zwar wichtig, könnten jedoch strukturelle Defizite nicht ausgleichen. Als positive Beispiele wurden u. a. die Servicestelle Friedensbildung Baden-Württemberg und einzelne Modellschulen genannt, in denen Friedensbildung curricular verankert war und multiprofessionelle Kooperationen bestanden.
    Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass friedenspädagogische Aktivitäten seit Beginn des Ukraine-Krieges vielerorts zurückgegangen seien. Lehrkräfte hätten teilweise Hemmungen, friedenspolitische Fragen anzusprechen, aus Sorge, als „realitätsfern“, „unsachlich“ oder „ideologisch“ zu gelten. Dies mache es umso notwendiger, Räume für kontroverse, differenzierte und reflektierte Diskussionen zu schaffen.
    Die Veranstaltung machte zudem deutlich, dass Friedensbildung historisch und politisch stets umkämpft war. Pazifistische Haltungen seien nicht neu — sie hätten tief in der europäischen Geistes- und Sozialgeschichte verwurzelt gelegen, von religiösen Traditionen über die Arbeiterbewegung bis hin zur UN-Menschenrechtsbildung. Heute stünden solche Positionen jedoch unter Rechtfertigungsdruck. Lutz van Dijk erinnerte die Teilnehmenden daran, dass gesellschaftliche Veränderungen häufig von Minderheiten ausgegangen seien. Eine demokratische Kultur benötigt Menschen, die Gegenpositionen aushielten und alternative Wege aufzeigten.
    Besondere Verantwortung wurde den Gewerkschaften zugeschrieben, insbesondere der GEW. Sie sei historisch friedenspolitisch positioniert und müsse angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen erneut klar Stellung beziehen. Friedensbildung müsse als demokratische Kernaufgabe verstanden und verteidigt werden.
    In der Friedensbewegung gebe es ja unterschiedliche Einschätzungen zum Krieg Russlands gegen die Ukraine – ein Hindernis für wirksame Aktionen. Aber vielleicht könne man sich darauf verständigen, dass wir Kriegsvorbereitung ablehnen – vielleicht brauchen wir einen Aufruf zur Verweigerung der Kriegstüchtigkeit? Darüber sollte weiter diskutiert werden.
    Abschließend wurde betont, dass Friedensbildung mit anderen gesellschaftlichen Zukunftsthemen zusammengedacht werden müsse — Klimagerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit, globales Lernen. Junge Menschen engagierten sich heute stark für Klima- und Demokratiethemen. Frieden werde nicht nur als Abwesenheit von Krieg verstanden, sondern als gerechte, nachhaltige und solidarische Weltordnung. Die Veranstaltung endete mit einem Appell, Friedensbildung mutig, selbstbewusst und beharrlich weiterzuentwickeln — auch gegen politische Widerstände — und Schulen als Orte zu stärken, an denen demokratische Streitkultur und konstruktive Konfliktlösungen eingeübt würden.

  • Tagungsablauf 15.11. „Reformpädagogik – Mythos und Realität“ an der Uni Duisburg-Essen

    Anmeldung: gk.bildungspolitik@rosalux.org  

    Uhrzeit Programmpunkt Referent:in (Arbeits-)Titel Raum
    10:30 Ankommen
    11:00 Begrüßung Karl-Heinz Heinemann S06S00B32
    11:15-12:15 Keynote I Jürgen Oelkers,

    (Universität Zürich)

    Reformpädagogik: Mythos und Realität S06S00B32
    12:15-13:00 Keynote II Edgar Weiß,

    (Siegen)

    Reformpädagogik – eine brauchbare pädagogikhistorische Subsumtionskategorie? S06S00B32
    13:00-14:00 Mittagspause     S06S00B29
    14:00-15:30 Workshops
      Workshop I Marco Steffen,

    (IU Bochum)

    Die sozialistische Pädagogik und ihr Verhältnis zur Reformpädagogik S06S00A21
      Workshop II Daniel Lieb,

    (Universität Jena)

    Reformpädagogik International: Verbreitung und Wirkung zwischen Struktur und Marketing S06S00B41
      Workshop III Michael Kubsda,

    (Bochum)

     

    Die Reformschule Summerhill und die blinden Flecken der Regelschule S06S00B32
    15:30 Kaffeepause     S06S00B29
    15:45-17:00 Abschlusspodium Martina Seifert, Green-Gesamtschule Duisburg 

    Sabine Geist, Laborschule Bielefeld

    Reinhard Stähling, Primus-Schule Berg Fidel Münster

    Robert Giese, 

    Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule Berlin 

    Moderation:

    Laura Emmerling

    Leitfragen: 

    Wie kann reformerische Schulpraxis heute aussehen? 

    Was wären die nötigen strukturellen Rahmenbedingungen für sinnvolles pädagogisches Handeln? 

    Welche Impulse aus der Reformpädagogik sind anschlussfähig, welche nicht? 

    Was geht unter den gegenwärtigen Voraussetzungen, was nur gegen sie?

    Eigene Impulse aus den Schulen: Was funktioniert bereits in der Praxis?

     

    S06S00B32
    17 Uhr Ende der Tagung
  • Brandmauer Schule: AfD, Schule, Böhmermann, Beutelsbacher Konsens

    Gestern (19.9.) ein sehenswertes „Magazin Royale“ von Jan Böhmermann zur Aufgabe der Schule, die Grundrechte zu verteidigen und den Verschen der AfD, dem mit Denunziation und Einschüchterung entgegen zu wirken. Die „Krautreporter“ haben dazu die Recherche geliefert.

  • Tagungsankündigung 15.11.25: Reformpädagogik – Mythos und Realität

    Reformpädagogik – Mythos und Realität

    Gemeinsame Tagung  des Gesprächskreises Bildungspolitik und des Arbeitskreises Kritische Pädagogik (RLS)

     

    Wann? Samstag, 15 November 2025, 10:30 bis 17 Uhr
    
    Wo?  Universität Duisburg-Essen, Standort Essen, Gebäude S06S (Lagebeschreibung)
    
    

    Schule kann nicht nur aus Punkte sammeln und Zurichtung auf den Arbeitsmarkt bestehen. Bildung ist mehr als die Aneignung abrufbarer und messbarer Kompetenzen. Wichtiger denn je ist es, dass Schülerinnen und Schüler sich mit der Gestaltung des Lebens, der Gesellschaft in Frieden, Demokratie und im Einklang mit der Natur beschäftigen. Das ist der Anspruch vieler Reformschulen von heute. Aber werden sie diesem Anspruch gerecht? Bei den Müttern und Vätern der Reformpädagogik wie Maria Montessori, Rudolf Steiner, Peter Petersen oder Georg Kerschensteiner findet sich oft ein völkisch und rassistisch aufgeladener Gemeinschaftsbegriff und ein entsprechendes Menschenbild. Verkennt eine Pädagogik vom Kinde aus nicht die soziale Dimension von Arbeit und Bildung? Sind die Missbrauchsskandale an einigen Reformschulen nicht in ihrem Verständnis von Schüler:innen-Lehrer:innen-Beziehungen systemisch angelegt? Kann eine reformpädagogisch geführte Schule auch Kinder genügend fördern, denen selbstorganisiertes Lernen schwerfällt? Wir erwarten von Reformschulen, dass sie für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen. Werden sie diesem Anspruch gerecht?

    Neben den bekannten „bürgerlichen“ Reformpädagogen gibt es auch eine progressive, sozialistische Tradition von Schulkritik und -reform. Diese unterschiedlichen Traditionsstränge sollen in dieser Tagung auf ihre Bedeutung für heute befragt werden, und aktuelle Modellschulen sollen vorgestellt werden. Wir erhoffen uns von dieser Tagung einen Beitrag zur Klärung unseres Bildungsverständnisses und zur praktischen Kritik an einer auf messbare Leistungen fokussierten Schule.

    Den Input wird der Erziehungswissenschaftler Jürgen Oelkers geben. Edgar Weiss wird eine historisch-materialistische Kritik formulieren, in Workshops geht es um progressive und bürgerliche Reformpädagogik und um aktuelle Konzepte und Modelle. Im Abschlussplenum werden Schulen und deren Konzepte auf ihr Menschenbild, ihr Bildungsverständnis und ihren Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit befragt. Hier das vollständige Programm (Stand 5.10.25):

    Uhrzeit Programmpunkt Referent:in (Arbeits-)Titel Raum
    10:30 Ankommen
    11:00 Begrüßung Karl-Heinz Heinemann S06S00B32
    11:15-12:15 Keynote I Jürgen Oelkers,

    (Universität Zürich)

    Reformpädagogik: Mythos und Realität S06S00B32
    12:15-13:00 Keynote II Edgar Weiß,

    (Siegen)

    Reformpädagogik – eine brauchbare pädagogikhistorische Subsumtionskategorie? S06S00B32
    13:00-14:00 Mittagspause     S06S00B29
    14:00-15:30 Workshops
      Workshop I Marco Steffen,

    (IU Bochum)

    Die sozialistische Pädagogik und ihr Verhältnis zur Reformpädagogik S06S00A21
      Workshop II Daniel Lieb,

    (Universität Jena)

    Reformpädagogik International: Verbreitung und Wirkung zwischen Struktur und Marketing S06S00B41
      Workshop III Michael Kubsda,

    (Bochum)

     

    Die Reformschule Summerhill und die blinden Flecken der Regelschule S06S00B32
    15:30 Kaffeepause     S06S00B29
    15:45-17:00 Abschlusspodium Martina Seifert, Green-Gesamtschule Duisburg 

    Sabine Geist, Laborschule Bielefeld

    Reinhard Stähling, Primus-Schule Berg Fidel Münster

    Robert Giese, 

    Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule Berlin 

     

    Leitfragen: 

    Wie kann reformerische Schulpraxis heute aussehen? 

    Was wären die nötigen strukturellen Rahmenbedingungen für sinnvolles pädagogisches Handeln? 

    Welche Impulse aus der Reformpädagogik sind anschlussfähig, welche nicht? 

    Was geht unter den gegenwärtigen Voraussetzungen, was nur gegen sie?

    Eigene Impulse aus den Schulen: Was funktioniert bereits in der Praxis?

     

    S06S00B32
    17 Uhr Ende der Tagung
  • Die Diskussion um das „Startchancen-Programm“ Bericht

    Seine Gesamtschule „Katharina-Henoth“ – benannt nach einer als vermeintliche Hexe verbrannten Kölnerin – ist die einzige in der Domstadt, die neben 20 Grundschulen in den Genuss des Starchancen-Programms kommt, berichtet Martin Süsterhenn, der Schulleiter. Er führte in die Veranstaltung zum „Starchancen-Programm“ ein. Seine Schule hat den Sozialindex 9, gilt also als Schule in besonders prekärer Lage. Sie liegt, wie 17 der anderen geförderten Kölner Schulen, im Rechtsrheinischen, die drei linksrheinischen sind alle im Stadtteil Chorweiler – Köln ist also sozialstrukturell klar gegliedert. Wie kann eine Schule mit diesen Standortbedingungen umgehen und wie kann sie das Starchancenprogramm dabei unterstützen?
    Ziel des Programms, von der letzten Bundesregierung aufgelegt und von der neuen fortgeführt, ist die „Entkopplung des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft, Förderung der Chancengerechtigkeit, Professionalisierung der Lehrkräfte und das Erreichen von Mindeststandards im Lesen, Mathematik und Deutsch“. Dafür gibt es, gestreckt über 10 Jahre, 20 Milliarden Euro, je zur Hälfte von den Ländern und vom Bund. Maren Kaminski, neue Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion, vermerkt in der Diskussion diese Kofinanzierung als einen positiven Aspekt des Programms: Damit wird das Kooperationsverbot weiter durchlöchert, das den Bund daran hindert, sich in Bildungsangelegenheiten einzumischen, um so auch für einigermaßen gleiche Lebensverhältnisse in der Republik zu sorgen. Auf der Positiv-Seite bei der Finanzierung stehe auch, dass die Gelder nicht nach dem „Königssteiner Schlüssel“ verteilt werden, sodass finanzschwache Länder mit hohem Bedarf dabei besser abschneiden.
    Der erste, größte Topf soll die Ausstattung der Schulen, inklusive Schulbauten, verbessern. Doch für Bau und Ausstattung sind die Kommunen als Schulträger zuständig. Was ist, wenn sie, wie viele Gemeinden, fast pleite sind und der Haushaltssicherung unterliegen? Nicht jede Landesregierung ist bereit, diese Kosten der Kommunen zu übernehmen.
    Doch abgesehen davon, dass mit dem Programm endlich etwas für mehr Bildungsgerechtigkeit getan werden soll, wie Martin Süsterhenn und Martina Zilla Seifert feststellten, gibt es von den beiden Referentinnen und aus dem Publikum viel Kritik. Mit der zweiten Säule des Programms sollen innovative Konzepte im Sinne von mehr Autonomie gefördert werden. Doch tatsächlich wächst die Bürokratie: Konzepte müssen geschrieben und begründet werden, es wird evaluiert, die Schulaufsicht mischt sich ein. Und letztlich geht es nur um „mehr von dem schlechten Alten“, kritisierte Martina Zilla Seifert: alles muss in das Korsett der Lehrpläne und der vorgegeben Fächerstrukturen passen. Etwas Neues, wie etwa ein Theaterprojekt, gibt es nur „on top“, dass ästhetische Bildung als tragendes inklusives Angebot implementiert wird, ist nicht vorgesehen. Und wo kommen neue Ideen her? Der Staat habe sich aus dem Fortbildungsangebot weitgehend zurück gezogen. Es tummeln sich viele private Anbieter auf dem Fortbildungsmarkt für Schulen und Lehrkräfte, er könne sich vor den vielen Angeboten, die er ins Haus bekomme, nicht mehr retten, meint Martin Süsterhenn. Diese zweite Säule laufe auf ein grandioses neoliberales Privatisierungsprogramm hinaus, so Martina Zilla Seifert. Und Forderungen, wie sie aus den Schulen inherausfordernder Lage z.B. in NRW auf dem Tisch liegenetwa von der Initiative „Schule³-eine Untergliederung der GGG NRW“, von der Martina Zilla Seifert berichtet, finden kaum Berücksichtigung. Überhaupt habe man weder diese Initiativen, Lehrkräfte oder gar SchülerInnen einbezogen.
    Was arme Schulen wirklich brauchen? An der Katharina Henoth-Gesamtschule bietet Martin Süsterhenn mithilfe privater Spenden ein kostenloses Frühstück an. Notwendig sei ein kostenloses Mittagessen für alle – dass das möglich ist, kann man nicht nur in Finnland sehen, sondern auch in Berlin, wo das die letzte Regierung eingeführt hat. Mit dieser Verbesserung der materiellen Lernbedingungen würde man mehr für Bildungsgerechtigkeit tun. An seiner Schule sei eine Lehrkraft nur damit beschäftigt, den Eltern bei den Anträgen zum Bildungs- und Teilhabeprogramm zu helfen, berichtet Süsterhenn.
    In der dritten Säule des Programms geht es um die Einstellung zusätzlichen Personals. So schön es sei, dass er SozialarbeiterInnen, TheaterpädagogInnen, KünstlerInnen und MusikerInnen in multiprofessionelle Teams einstellen könne – notwendig seien mehr ausgebildete Lehrkräfte. Notwendig sei zudem, dass die zusätzlichen wie die regulären Lehrkräfte Zeit bekommen, um überhaupt in Teams zu arbeiten. Die Lehrerarbeit müsse neu und anders organisiert werden, damit überhaupt die notwendigen Interventionen und ein gewinnbringender Unterricht in Schulen entwickelt werden können.
    In der Diskussion wurde kritisiert, dass 4000 bedachte Schulen von knapp 33000 zu wenig sind. Dazu kommt die Frage, was aus denn aus Stellen und Projekten nach zehn Jahren wird, wenn das Programm ausläuft? Schließlich: Innovationen gibt es nur „on top“. Das heißt darunter läuft das bekannte Programm von Fächern, Klassenverbänden, der gewohnten Arbeitsorganisation der Lehrkräfte weiter – an Gesetzen, Verordnungen, Lehrplänen etc. ändert sich dadurch zunächst mal nichts.
    Fazit: Gut, dass das Problem der Bildungsgerechtigkeit mit einem Programm angegangen wird. Aber 4000 Schulen zu fördern ist zu wenig, die zeitliche Befristung eröffnet keine dauerhaften Perspektiven, die Schulen, Lehrkräfte und Schülerinnen sind zu wenig einbezogen, der bürokratische Aufwand wächst und belastet so manche Schulleitungen zusätzlich. Es mehren sich die Zweifel und Widerstände in den beteiligten Schulen.