Unser Vorschlag:

Lehramtsstudierende als LernbegleiterInnen einstellen!

Die Kultusminister haben beschlossen, die Schulen allmählich wieder zu öffnen. Doch eine Rückkehr zum Normalbetrieb ist auch für das nächste Schuljahr nicht in Sicht. Bei Wahrung der Abstandsregeln passen nicht mehr so viele SchülerInnen in eine Klasse. Ältere Lehrkräfte sollen als Risikogruppe nicht in die Schulen kommen. Das Hygieneregime macht es notwendig, kleine Gruppen zu bilden, im Schichtbetrieb zu arbeiten und die Stundentafel auszudünnen. Eine Beschränkung auf die „Kernfächer“ – Deutsch, Mathe, Englisch, Verzicht auf sozialwissenschaftliche, musisch-ästhetische und naturwissenschaftliche Themen, kann keine befriedigende Lösung sein. Es wäre pädagogisch unverantwortlich, sich auf Prüfungsvorbereitungen zurückzuziehen. Und genau das ist unter dem Druck der Verhältnisse zu befürchten.

Homeschooling kann die dadurch entstehenden Lücken nicht schließen. Einerseits wurden an vielen Schulen überraschend schnell unterschiedliche Modelle entwickelt, andererseits werden die Grenzen des computergestützten Lernens und Arbeitens deutlich: Wie sollen Erst- und Zweitklässler, damit Lesen und Schreiben lernen? Wie kommen SchülerInnen damit zurecht, die von ihren Eltern wenig Unterstützung bekommen können, bei denen es zuhause an Endgeräten fehlt, ebenso wie an einem Internetzugang und einer zuträglichen Lernumgebung? Die persönliche, unmittelbare Begegnung mit Lehrpersonen ist ebenso unersetzlich wie der Kontakt der SchülerInnen untereinander.

Schichtbetrieb, die Anleitung und Rückmeldung der Arbeiten im Homeschooling, die Entwicklung von Arbeitsaufträgen – all das wird von den Lehrkräften nicht bewältigt werden können. Hinzu kommen neue Herausforderungen: Intensiverer Kontakt mit den Eltern, die Erprobung neuer Sozialformen, etwa die Arbeit in kleinen Gruppen. Die sozialpädagogischen Fachkräfte, sofern es überhaupt welche an den Schulen gib, sind gerade jetzt besonders gefordert, ihnen könnte man diese zusätzlichen Aufgaben nicht auch noch übertragen. Die Schulverwaltungen sollten deshalb zurückgreifen auf Lehramtsstudierende. Sie bringen schon erste Voraussetzungen für und das Interesse an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit, und sie können sich dabei weitere Qualifikationen aneignen.

Sie können unter Anleitung durch die Schulen die Lehrerinnen beim Kontakt zu Kindern und Eltern unterstützen, bei ihnen zuhause die notwendige Unterstützung geben, sie können einzelne SchülerInnen beim Lernen begleiten und sie können SchülerInnen in kleinen Gruppen zusammenbringen, sei es in der Schule im Freien oder an anderen Orten, um den Hygieneregeln zu entsprechen.

Die Studierenden sollten diese Arbeit als Praktikum anerkannt bekommen und dafür angemessen bezahlt werden, denn vielen von ihnen sind in der Corona-Krise die Einkommensquellen weggebrochen.

Unter den Krisenbedingungen haben Kliniken auf die Hilfe von MedizinstudentInnen zurückgegriffen, warum sollten Schulen nicht das Gleiche auf ihrem Gebiet tun?

An einigen Hochschulen gibt es bereits schon aus Vor-Corona-Zeiten entsprechende Initiativen, bei denen Studierende im unmittelbaren Kontakt mit Schülerinnen denen helfen. An ihren Erfahrungen kann man anknüpfen.

Die Schulverwaltungen sollten Schulen und Hochschulen diese Möglichkeit eröffnen. Die Zentren für Lehrerbildung könnten Studierende und Schulen zusammenbringen.

Damit können wir die aktuelle Krise auch nutzen, um neue, innovative Formen von Schule und Unterricht zu erproben.

Zustimmung und Bedenken

Dieser Vorschlag stößt zunächst einmal auf viel Zustimmung, scheint unmittelbar einzuleuchten. Aber es gibt auch Einwände: Sind Studierende ausreichend befähigt? Werden sie den Anforderungen der Lehrpläne gerecht?

Die Antwort: Nein, sollen sie auch gar nicht. Sie sollen unter Anleitung der Schulen den unmittelbaren Kontakt zu den SchülerInnen udn ihren Familie erstellen, inen helfen bei der Bearbeitung der Aufgaben, beim Zurechtkommen mit digitalen Medien, und eventuell SchülerInnen in kleinen Gruppen zusammenbringen, mit ihnen interessante Projekte außerhalb der Schulräume angehen.

  • Ja, wie sieht es dann mit dem Versicherungsschutz aus?
  • Wird das als Praktikum anerkannt?
  • Wer soll das bezahlen?
    Offenbar kann die Bundesregierung sehr schnell 500 Mio locker machen, um SchülerInnen  mit digitalen Endgeräten auszustatten – selbt auf die Gefahr hin, dass sie nicht wissen, wie sie damit umgehen können. Ein Bruchteil dieser Summe würde helfen, um Studierende zu bezahlen, die als Kontaktpersonen sicher ebenso wichtig wären wie digitale Endgeräte.

Wer macht sich an die Umsetzung?

Ja, viele Fragen in der Umsetzung. Im brandenburgischen Schulministerium arbeitet man an der praktischen Umsetzung, zusammen mit der Universität Potsdam und den Schulämtern.

Zugegeben: Es ist relativ einfach, eine solche Forderung zu entwickeln, in der Umsetzung wird es Probleme geben. Wir hoffen auf PraktikerInnen, die den Mut aufbringen, das in die Hand zu nehmen.

 

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